Heute kommt dann der richtige Tag zum Ausspannen und Faulenzen, und vor allem um die Berichte der letzten Tage erfolgreich abschließen zu können. Bereits im Laufe der Woche hatten wir uns entschieden, dass wir heute das Atlantikwall-Museum besuchen wollen und haben daher schon Karten für die 13:30 Uhr Führung besorgt.
Aufstehen reichte heute also wieder 09:00 Uhr und der erste der „Angezogen“ den Wohnwagen verlassen hat war heute TobbY. Dann ging es zum Biorecycling und weiter zum Brötchen abholen. Wieder zurück am Wohnwagen musste ich dann selbst Kaffee ansetzen, da immer noch keiner weiter, und vor allem nicht der Kaffeedog aus dem Wohnwagen gekommen war.
Dann erst mal noch das Funkgerät anschmeißen und Mails beantworten.
So ungefähr 45 min. vor der geplanten Führung haben wir uns mit den Fahrrädern auf den knapp 3 km langen Weg gemacht. Die Führung wurde angeboten in Holländisch und zwei mal in Deutsch. Eine englisch sprechende Familie hatte heute mal Pech gehabt, konnte sich einer der beiden Führungen anschließen und was sie nicht verstanden haben, das mussten sie halt nachfragen.
Die Anlage der Batterie Noordwijk in der Norddüne besteht aus um die 80 Einrichtungen, die von den Niederländern im Auftrag der Deutschen in die Dünen gebaut wurden 1 . Interessant waren die Zusätzlichen Infos, die der Führer gegeben hat, die nicht auf deren Webseite veröffentlicht worden sind. So ist nicht sicher, ob die Firmen, die am Bau der Regelbauten beteiligt waren, dies rein Freiwillig oder aber mit einem gewissen Zwang gebaut haben. Was aber bekannt ist, die Firmen sind für die Arbeiten von den Deutschen bezahlt worden, und viele der Firmen gibt es noch heute. Nach dem Krieg wurden sie als Kollaborateure eingestuft und mussten die eingenommenen Gelder an den Staat zurückzahlen.
Für die Arbeiter waren diese Baueinsätze aber nicht nur schlecht. Zwangsarbeit mussten die Männer aus allen besetzen Ländern leisten, denn die Deutschen Arbeiter waren ja überwiegend als Soldaten im Militärdienst. Nur so konnten sie die Zwangsarbeit in den Niederlanden leisten und mussten nicht in die Munitions- und Rüstungsfabriken nach Deutschland.
Die Batterie Noordwijk gehörte Organisatorisch zu Küstengruppe Katwijk, genauso wie die Batterie Katwijk selbst. Der Abstand zwischen diesen Batterien lag bei ca. 20 km, denn so konnte mit den gut 19 km Feuerentfernung der Küstenstreifen zuverlässig gesichert werden. Die Batterie besteht aus vier Geschütz Bunkern, zwei Munitionsbunkern und einem Feuerleitstand S414. Die einzelnen Geschütze haben einen Drehbereich von ca. 120° und sind von der Grundausrichtung so ausgerichtet, das das nördlichste Geschütz Nordnordwest Ausrichtung hat, dann weiter Nordwest, Südwest und das letzte Südsüdwest.
Die Bunker der Batterie waren nicht alle in der gleichen Ausbauform gebaut. Während die Konstruktion, und damit die Raumaufteilung durch die Regelbauten vorgegeben waren, so war doch die Aufbauform unterschiedliche. Die Ausbaustärken unterscheiden sich von 0,3 m Wandstärke, eher aus Ziegelsteinen gemauert bis zu 3,5 m Wandstärke aus massivem Stahlbeton. Der Führer hatte hier noch andere Bezeichnungen, so was wie leichter Feldausbau bis Permanenter Ausbau. Leider hab ich mir die nicht so richtig gemerkt. Da es für die Batterie Noordwijk keine Kasernen gab, waren auch alle Wohn und Aufenthaltsräume in der Bunkeranlage untergebracht. Somit hat man sich Mühe gegeben und die Räume ansprechend zu gestalten, auch mit falschen Fenstern und einem freundlichen hellen Anstrich.
In einem Wohnbunker wurde auch der Notausgang erklärt, denn ein deutscher Regelbau Bunker hat 2 Ausgänge. Diese Notausgänge haben aber den Nachteil, das wo man rauskommt, kommt man auch rein. Um das zu verhindern wurde der Notausgang mit Balken verschlossen und dann mit Kies aufgefüllt. Wollte man den Notausgang nutzen, kann man den Kies schnell in den Bunker schaufeln und flüchten.
Und ähnliche Sicherheitsmaßnahmen gab es auch an Schornsteinen, da man Angst hatte, der Feind könnte über diese Handgranaten in den Bunker werfen. Also wurde Schornstein vom Ofen eine gewisse Stecke Waagerecht geführt und dann nicht über einen Winkel sondern ein T-Stück an den Senkrechten Teil angeschlossen. Wurde nun eine Handgranate eingeworfen viel sie durch das T-Stück in einen extra dafür vorgesehen Bereich, in dem sie bei der Explosion keinen Schaden anrichten konnte.
Nach dem Krieg wurden die verbliebenen Deutschen Soldaten von den Kanadiern zum Mienen räumen am Strand verdonnert. Damit sie auch keine Vergessen haben, musste der Strand abschließend in einer Linie abgelaufen werden, danach wurden die Soldaten frei in Ihre Heimat entlassen.
Die Bunker waren somit von Munitionsresten beräumt und wurden offen gelassen, so dass sich hier oft spielende Kinder rum trieben. Diese haben in den Bunkerräumen auch kleine Feuer angezündet und wenn dann die Polizei und die Feuerwehr kam sind sie fort über alle Berge. Wenn die Polizei ihnen hinterher rennen wollte zeigte sich, das die Kinder die besseren Ortskenntnisse entwickelt haben. Somit entschied mach in den 80er Jahren die Bunker zu verschließen und gegen eindringende Kinder abzusichern. Im Jahre 2004 wurde dann von einer Gruppe interessierter der Bunker wieder vom Sand beräumt und renoviert und steht nun als Museum zur Besichtigung offen.
Den Rundgang durch den südlichen Abschnitt dürfen auch die Museumsmitarbeiter nur im Sommer betreten, denn das Gelände liegt in einem Naturschutzgebiet und im Winter übernachten die Fledermäuse in den Räumen. Für die haben die Naturschützer sogar kleine Wasserbecken angelegt.
Eigentlich hatte ich gedacht, das ich nach dem Atlantikwall-Museum noch dem, im zweiten Munitionsbunker gelegenem „Museum Engelandvaarders“ einen Besuch abstatten könne, habe den Gedanken dann aber wieder verworfen denn es war schon 15:30 Uhr und das Museum Engelandvaarders hat auch nur bis 16:30 Uhr geöffnet und der Museumsführer meinte zu mir, dort gebe es viel zu lesen, das würde man in der verbleibenden Zeit nicht mehr schaffen.
Während Nils und TobbY dann zurück zum Wohnwagen geradelt sind, haben geli und Nick mit Nicks großem Rucksack noch das Abendessen besorgt, darüber kann vielleicht der Nick noch bereichten.
Wettermäßig hatten wir in soweit Glück, als das es während wir mit dem Fahrrad unterwegs waren nicht nennenswert geregnet hat, währen wir im Vorzelt sitzend einige Regenschauer verkraften durften.
Abend noch ein SSB QSO mit Ben und erfolgreich die 1000 QSO Marke gerissen.





























