Montag, 01.07.2024
Ich hatte ja gestern noch berichtet, dass Nick festgestellt hat, dass ein Verdunkelungsrolo in der Sitzecke defekt ist und ich recherchiert habe, ob es die entsprechenden Ersatzteile gibt und wo bzw. ob man sie Drucken kann. Am heutigen Morgen komme ich ins Bad, um die Linsen einzusetzen und was muss ich feststellen? Richtig auch hier ist das Rollo ausgehängt, und zwar nicht das Verdunkelungsrolo sondern das Moskitonetz. Glücklicher Weise ist aber hier der Haken nicht weg und ich kann zum einen Bilder machen und die Druckdaten visuell bestätigen, zum anderen kann ich den Haken wieder einsetzen, damit auch gleich testen wie man das Rolo mit dem Haken wieder in die Schiene einsetzen kann, ohne irgendwelche Schrauben zu öffnen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich aber noch nicht, wie viel Spass ich heute noch mit Schrauben und einer Mückenschutztür bekommen sollte.
Nach dem Aufstehen haben wir dann routiniert mit dem Abbau rund ums Frühstück begonnen, wobei der Abbau nur relative wenig Aufwand machte, denn wir hatten ja kaum was aufgebaut. Aber auch wenn man wenig Aufwand mit dem Abbau hat und daher ggf. mal die Rollen etwas vertauscht werden, muss doch einer das Kommando haben und die Kommandos müssen eindeutig sein. Dies war heute leider nicht richtig gegeben. So habe ich das Auto schon vor der Anhängerkupplung geparkt und war noch damit zugange die Kupplung auf- und den Gaskasten abzuschließen, als ich geli die Mover Stange mit dem erinnernden Kommentar „der Mover muss auch noch ab“ in die Hand gedrückt habe. Dieser Ablauf wurde von geli als Kommando jetzt den Mover ab machen 1 verstanden und plötzlich rollte der Wohnwagen mit einer Kupplung die noch viel zu hoch stand auf das Auto zu und bevor ich neben schreien zur Handbremse greifen konnte in die Kofferraumklappe rein. Beule Nummer xxx entstand. Die Anweisung „Mover wieder dran“ um aus der Heckklappe zu fahren wurde dann von Nils genauso fehlinterpretiert; er klappte den Mover wieder an das Rad an und fuhr sofort rückwärts 2. Dies sorgte dann dafür, das der Wohnwagen nicht mit der gleichen Bewegung aus dem Kofferraum raus wie er rein gefahren ist und die Glücklicherweise gummiummantelte Kupplung sich an der Heckklappe entlang gedrückt hat 3. Der Rest des Ankuppelmanövers incl. der nun folgenden Abfahrt verlief dann unspektakulär, außer das TobbY die andere Ausfahrt probieren musste und wir das Abfahrtsfoto vergessen haben.
Eigentlich sollte man meinen eine Fahrtag ist was die Erlebnisse betrifft eher unspektakulär aber der Heutige irgendwie nicht. Vorgreifend kann ich schon sagen, ich werde heute abend so platt sein, dass ich es nicht mehr schaffen werde, die Geschichte des Tages zu verfassen. Aber noch sind wir am Anfang der übersichtlichen, knapp 280 km langen Fahrt über die E45. Und dieser Anfang beginnt mit einer Ehrenrunde durch Arvisdjaur, denn durch die andere Ausfahrt sind wir an der Feuerwehr vorbeigekommen und haben dort für Deutsche Feuerwehrleute unbekannte Feuerwehrfahrzeuge auf dem Hof stehen sehen. Die mussten wir noch ordentlich Fotografieren, also mit Wohnwagen am Haken noch eine Ehrenrunde und noch mal langsam an der Wache vorbeifahren.
Aber nach guten 55 km war die beschauliche und entspannte Fahrt jäh beendet. Auf höhe der Ortschaft Slagnäs 4 kündigte google Maps eine Baustelle mit ca. 9 Minuten Verzögerung an. Da wir es im Urlaub nicht eilig haben und es bei nur knapp 300 km auch nicht zeitkritisch wird, kein Grund zur Besorgnis, zumindest bis die Baustelle angefangen hat. Es ging runter auf 50 km/tim und dann auf 30 km/tim und dann kam ein Absatz. Der Absatz bedeutete für uns, ab hier gibt es keine Asphalt Straße mehr, sondern eine festgefahrene Schotterpiste. Im Rückspiegel konnte man beobachten wie sich der Wohnwagen so langsam braun färbte und geli meinte, sie haben bei der Baustellenankündigung etwas von Steinschlaggefahr gelesen und wüsste jetzt was damit wohl gemeint war 5. Nun ja, außer einer Geschwindigkeitsempfehlung, der fehlenden Decke und des daraus resultierenden Drecks ließ es sich aber normal fahren. Dann haben wir die ersten Arbeiter gesehen die von einem Radlader große Bewährungsmatten auf der Fahrbahn verteilten und wir über diese Matten fahren mussten. Zwischendurch war die Schotterpiste mal wegen einer Brücke oder einer Kreuzung unterbrochen und man konnte wieder auf normalem Asphaltbelag fahren.
Dann kam das dritte Stück, kurz vor dem Ende der Baustelle. Rechts in der Zufahrt zur Straße stand ein LKW mit einem gelben Tank 6 und eine Straßenwalze der Baufirma mit ihrem Personal und eingeschalteten gelben Rundumleuchten. Eigentlich hätte mich das mehr als nur stutzig machen müssen, aber OK Baustelle. Nur dann wurde zu allem Überfluss auch noch der Untergrund weich, wir fuhren auf frischem groben Schotter und vor uns, aber auf der linken Seite fuhr ein Gräder der den frisch eingebrachten Schotter nivilierte. Da der Verkehr ansonsten an der Baustelle wie gehabt lief bin ich einfach weiter gerollt, nur etwas zu flott um hinter dem Gräder zu bleiben und als ich auf Höhe des Mittelschildes war, hatte ich das Gefühl, das wir zu eng mit dem Gespann und habe leicht auf die Bremse getippt. Damit hatte ich den fatalen Fehler begangen, ich steckte mit dem Gespann im weichen Untergrund fest, keine 150 m vor dem sicheren Ende der Baustelle. Also Warnblinker an und versuchen sich aus dem Mist zu befreien. Einmal vorwärts … abgewürgt … einmal zurück … abgewürgt, also so wird das nix. Raus aus dem Auto, Warnjacke an 7 8 und …
Gut wie ging es weiter … nachdem der Verkehr hinter uns glücklicher Weise seinen Weg fortsetzen konnte 9 kam dann der Wasserwagen und der Fahrer hielt hinter uns an. Ich versuchte ihm auf Englisch zu erklären, dass ich mich festgefahren habe und Hilfe brauche. Mein Vorschlag, wir kuppeln den Wohnwagen ab, ich fahre das Auto auf den Asphalt und die Baufirma zieht mir den Wohnwagen mit einem Radlader auch auf den Asphalt. Er meinte erst mal, ich solle nach meinem Haken für vorne suchen und dann ziehen sie uns komplett raus, ging aber dann auf meinen Vorschlag ein, besorgte über Funk einen Pickup der Baufirma und wir machten uns ans Werk.
Wir alle nervös 10 und so bekamen die Jungs das Fangseil nicht auf und ich musste mich auch noch darum kümmern. Dann haben wir den Wohnwagen vom Auto getrennt, währenddessen hielten immer wieder andere Autofahrer und fragten, ob sie helfen können, auch mehrere Deutsche mit Allradfahrzeugen wir haben aber dann doch die Hilfe der Baufirma genutzt. Während wir noch mit dem Kollegen aus dem Wasserwagen das weitere Vorgehen absprachen, kam der Gräder zurück und hielt erst mal an. Jetzt war die Gasse ganz dicht. Dabei wollte sich der Fahrer nur erkundigen was mit uns los sei. Den Wohnwagen haben wir zum Abkuppeln ca. 1 m mit dem Mover nach hinten gezogen, danach hatte sich auch das Stützrad schon wieder eingegraben. Nick musste mit seiner Warnweste den Wohnwagen 11 nach hinten absichern, geli und Nils haben ein wenig geschoben und im zweiten Versuch nach einmal abwürgen war ich so weit draußen, das ich wieder langsam rollen konnte … Den Asphalt in Sicht, bleibt ein deutsches Gespann vor mir stehen, sie steigen aus und kommen angelaufen. Wild gestikulierend versuche ich ihnen klarzumachen dass sie mich auf den Asphalt lassen sollen aber sie laufen. Sie kommen zu mir und fragen, ob sie helfen können, sie hätten ein Allrad Zugfahrzeug aber in dem Moment kam gerade auch ein Pickup der Baufirma, also hab ich mich bedankt, sie haben den Asphalt frei gemacht und ich war wieder auf festem Untergrund.
Jetzt ging im Grundsatz recht einfach. Der Pickup hat auf der Schotterpiste gedreht, hat dann in Richtung Wohnwagens zurückgesetzt. Als er mit den Hinterrädern in der Kuhle meiner Vorderräder stand, kamen Sperren, Untersetzung und TobbY wieder dazu. Rückwärst an die Kupplung ran, ankuppeln und den Wohnwagen vorwärts bis auf den Asphalt hinter das Auto ziehen. Nach dem Abkuppeln war der Pickup verschwunden, der nächste Pickup vor Ort und zog unverrichteter Dinge wieder ab, wir haben das Auto erst zurückgesetzt und dann den Wohnwagen mit Hilfe des Movers wieder angekuppelt und sind weitergefahren. Alles ohne Polizei, ohne Absichern des Liegenbleibers, ohne irgendwelche Dokumente oder Kontrollen und währenddessen lief der Verkehr unvermindert an uns vorbei. In Deutschland unvorstellbar. Eine solche Baustelle hätte eine Straßensperrung und km weite Umleitungen zur Folge.
30 km nach diesem denkwürdigen Festfahren folgte in Sorsele ein spontaner Museumsbesuch des Inlandsbanemuseum, das wir nicht in unserer Planung hatten. Aus dem Augenwinkel hatte ich das Schild gesehen und da wir genug Zeit und sonst nix vor hatten, haben wir den nebenliegenden Parkplatz 12 angesteuert und einen kurzen Museumsbesuch eingeschoben. Das Museum war gleichzeitig der Gastraum des Cafés in der örtlichen Touristeninformation und verlangte keinen Eintritt, was TobbY schon wieder verwunderte. Nick möchte hier im Besonderen erwähnt haben, dass im Museum die Tischplatten aus Straßenschildern gemacht waren.
TobbY ist erst mal weitergefahren, musste dann aber 60 km vor dem Ziel aufgeben und an geli übergeben, die Aktionen zu Beginn der Fahrt und auch das Wetter, Regen, teilweise aus Eimern forderten ihren Tribut.
In Dorothea angekommen kommt noch eine Baustelle auf der E45 zum Tragen, die aber dank einer lokalen LKW Umleitung so umfahren werden kann, das wir ohne weitere Probleme auf dem Campingplatz angekommen sind. Geli und ich sind dann rein zum Einchecken und haben erfahren das der Campingplatz von einem Holländischen Ehepaar betrieben wird, das vor 15 Jahren nach Schweden ausgewandert ist. Im Gespräch kam dann auch raus, das zwar das Leben anders und etwas ruhiger ist als in anderen Teilen Europas, man aber auch in Schweden mit Behörden, Regularien und Steuern zu kämpfen hat, und das der Betrieb eines Campingplatzes kein Zuckerschlecken ist. Sie konnten auf familiäre Erfahrung zurückgreifen, denn 13 seine Eltern betreiben in Holland einen Campingplatz und damit war er mit der Thematik bereits vertraut.
Also sind wir dann erst mal zum Stellplatz und in den Mückenangriff. Nach dem wir so standen wie wir wollten haben wir noch diskutiert, ob wir für die zweit Tage unser Wohnzimmer 14 aufstellen wollen oder nicht, sind dann aber zu dem Schluss gekommen, das es mit dem Vorzelt doch etwas stressfreier würd, auch wenn wir ständig von Mücken traktiert wurden. Darüber hinaus hat uns leider ein weiterer Schaden die Laune verdorben. Er muss eingetreten sein, nachdem wir aus dem Schotter befreit waren, denn weder Nils noch Nick die während der Schotterstory mehrfach am Knochen und im Wohnwagen waren kannten das Problem. Die Fliegentür wird vor allem von zwei Schrauben oberhalb und zwei Schrauben im Fußboden gehalten. Die beiden Schrauben oberhalb hatte es aus der Innenwand gerissen und hatten keinen Halt mehr und die Fliegentür hing auf halb 9 im Wohnwagen. Nach einer ersten Untersuchung habe ich versucht die Schrauben durch etwas dickere zu ersetzen. Da sich die Fliegentür nun aber nur schwer in der unteren Schiene bewegen ließ, wurde diese auch noch gereinigt und geschmiert. Leider konnte ich so das Problem nur für ein paar Stunden beseitigen, bis einer der Jungs die Fliegentür wieder schnappen ließ und die Tür erneut im Wohnwagen lag. Diese Versuchten die Jungs dann jeweils mit dem wieder eindrehen der Schrauben zu fixen, machten aber keinen Deut gut. Zu der aktuell haltendende Provisorischen Lösung später mehr.
Aber bevor ich mich damit weiter befassen konnte, galt es den obligatorischen Einkauf zu absolvieren. Heute im Shopping Team, TobbY und geli. Die Supermärkte zu finden war gar nicht so einfach da die Storegatan, also die Hauptstraße gerade saniert wird und somit gesperrt ist. Die Umleitung führte uns mandelförmig durch den Ort aber wir haben ICA und Coop gefunden.
In welcher Reihenfolge werden wir beide besuchen? Erst mal den ICA und schon dort ging es los, wir hatten keine Idee, was wir kochen wollen. Die Entscheidung fiel schwer und nach einer ersten Idee sind wir rüber in den Coop. Dort war dann das Gehackte im Angebot 15 und Grillgut … also doch Grillen, nur der Potates Ost 16 ist im Coop nicht vorhanden, also noch mal zurück in den ICA und dann zurück zu den Jungs an den Wohnwagen.
Die Reparatur beschäftigte mich während der Nick die Nudeln Bolognese zubereitete und auch nach dem Essen noch mal gut eine bis anderthalb Stunden. Die Dickeren Schrauben hatten keinen Halt in das System gebracht, sondern nur die Löcher vergrößert und noch ein Plastikteil an einer Blindniete aus dem Blech gerissen. Die Blindniete ließ sich gekonnt ausbohren 17 und später durch eine neue ersetzen (( inzwischen gehört eine Blindnietzange mit einigen Nieten sowie ein Tacker zur Wohnwagen Dauerausstattung.
Blindnieten sind vielleicht auch eine Idee für die ausgerissenen Schrauben; Niete Rein, das Loch nicht aus- sondern nur durchgängig bohren und dann die Blechschraube in die Niete schrauben. Leider auch der falsche Ansatz, da sich der Abreißkopf nicht durchbohren ließ. Gut, also erst mal die Tür gänzlich ausbauen und an die Seite stellen. Erst mal Abendessen und google bemühen.
In einem Camper Forum wurde ich dann fündig. Dort berichtete jemand, dass bei seinem 1 Woche alten Pöschel auch schon diverse Schrauben, die nur in die Innenverkleidung geschraubt sind, ausgerissen wären und fragte an, was es für gute Tipps gibt. Von Hohlraumdübel 18 über Zahnstocher oder Sägespäne Leimpampe schrieb als letztes jemand, er habe gute Erfahrungen mit eine Sekundenkleber, Füllstoffkombination gemacht. Als ich das gelesen haben meinte ich laut „Mist“ und alle schauten mich an. Ich habe von meinen Erkenntnissen berichtet, und gemeint das wir den nicht mithätten 19 . Nils meinte als er das hörte, den hätten wir doch eingepackt, verschwand im Wohnwagen und kam nur Minuten später triumphierend mit dem Briefumschlag wieder aus dem Wohnwagen raus.
Jetzt war es noch ein bisschen handwerkliches Geschick und die Löcher sind wieder so eng, dass die dünnen original verbauten Schrauben greifen und die obere Schien stabil in Position halten. Noch eine Ansage an alle Mitfahrer, die Fliegentür ist nicht Schnappen zu lassen sondern mit Sie anzufassen und nun schauen wir mal wie lange das Provisorium hält 20.
Damit war der Tag gelaufen, und immer weiter fleißig Mücken jagen, denn auf diesem Stellplatz ist es gefühlt am schlimmsten.
- gemeint ist vom Radzurück zu schieben [↩]
- trotz noch angezogenen Bremse [↩]
- Ohne weiteren Schaden zu hinterlassen.[↩]
- E45, 930 91 Slagnäs [↩]
- Beim Trafikverket war die Baustelle wie folgt angekündigt: E45, Slagnäs– wenige km vor Fiskträsk. Maßnahme: Pflasterarbeiten. Verkehrsauswirkungen: Teilpilot. Länge: 13,9 km.[↩]
- wie wir später erfuhren, ein Wassertank [↩]
- Hätte ich dort noch von den Barfußschuhen auf die Sandalen gewechselt, wären, vor dem Urlaub neuen Barfußschuhe vermutlich auch noch heile[↩]
- Und das an so einer Unfallstelle Warnbekleidung sinnvoll ist musste man den Jungs auch erst mal erklären [↩]
- es war auch ein weiteres Gespann dabei [↩]
- und mir war das auch alles noch mega peinlich, Der Mensch von der Baufirma meinte nur immer „Ruhig“ „Ruhig“ … für sie war das scheins kein Beinbruch [↩]
- jetzt ohne Warnblinker [↩]
- LKW Stellplätze [↩]
- wie ich später raus bekommen habe [↩]
- den Tanzsaal von Vorzelt [↩]
- wir hatten es ja nur im ICA mitgenommen [↩]
- Potates Salat – Kartoffelsalt … der Name Kartoffel Käse – Potates Ost geht auf Nils zurück [↩]
- leider hab ich mir auch noch in die Finger gebohrt [↩]
- war auch erst meine nächster Gedanken [↩]
- Ich hatte mal eine Vorführung auf der Camping Messe in Erfurt verfolgt und danach sogar welchen gekauft und vor einigen Tagen von der Firma noch mal welchen nachbestellt. [↩]
- TobbY traut dem Braten nicht, alle anderen meinen ein Provisorium hält ewig. [↩]













