Die hohe Schlagzahl hält auch heute an. Wir starten bereits 08:15 Mit der Besichtigung der Edwin H. Greene Intermediate School. Diese Vorzeigeschule, so hatte ich die Woche schon erfahren, ist eine Schule, die für die besser betuchte Schicht in Blue Asch. Leider mussten wir auf Marco verzichten, denn er hatte sich wohl gestern Abend bei dem Sturz schwerer verletzt als alle am Abend abgeschätzt hatten und mit dem Knie konnte er heute nicht teilnehmen, hoffentlich geht es ihm morgen wieder besser.
Nach der Ankunft wurden wir von dem stellvertretenden Schulleiter und einigen Lehrern in der Aula begrüßt worden. Aufgeteilt wurde unsere Gruppe dann in zwei Teilgruppen, die dann die Schule besichtigten. Grundsätzlich ist die Ganztagsschule aufgeteilt in zwei Aufgabenbereiche. Die Klassen 5 und 6 haben gegensätzliche Stundenpläne angepasst an die Aufgabenbereiche. Die Klasse 5 beginnt mit dem Wahlbereich aus Musik, Sport, Kunst oder Technik, während die Klasse 6 mit dem wissenschaftlichen (klassischen) Fächern beschäftigt ist. Nach der Mittagspause wird der Fächerkanon getauscht.
Die Gruppe mit der ich unterwegs war durfte ihren Rundgang in den Räumen für den Wahl Unterricht beginnen. Gerade die musische Vertiefung wurde uns gezeigt. Beeindruckt war ich über den Einsatz moderner technologischer Hilfsmitte. So konnte der Musiklehrer von seinem Tablet das Metronom mit Ausgabe über die Lautsprecheranlage der Klasse steuern. Neben dem Metronom gab es auch noch ein Glücksrad auf dem Beamer, so können die Schüler die nächste Aufgabe ausdrehen.
Die Schule hat auch ein eigens Fernsehstudio 1 in dem die Schüler morgentlich Sendungen produzieren oder auch Interviews mit der Schulleitung führen können.
Danach ging es für unsere Gruppe in die andere Gebäudehälfte. Wir durften uns Unterricht in verschieden Fächern anschauen, auch dabei auffällig, dass man klassische Lernmethoden mit modernen technischen Helfern kombinieren kann. Warum müssen die Schüler Lehrbücher in gedruckter Form mitbringen, wenn man die Bücher auch auf einem Tablet dabeihaben kann. Auch Schreibübungen können auf dem Tablet mit einem Stift durchgeführt werden und sich Schrift sowie der Schreibablauf lassen sich gleich überprüfen. Neben Tablets sind auch Laptops in den Schulalttag integriert und die Hilfen der Lehrerin erinnern an Hilfe im Schulunterricht wie sie auch zu meiner Schulzeit üblich war, nur halt noch auf Papier nicht auf einem Bildschirm.
Auch wurden uns die Möglichkeiten zur integrativen Beschulung vorgestellt. Die Schule ist dazu personell gut ausgestattet. Dank vieler Helfern wie Physiotherapeut, Bewegungstrainer, Sonderpädagogen, Sprachtrainer kann man viele Integrationsprozesse erfolgreich durchführen. In der uns vorgestellten Gruppe ging es gerade um Pflanzen im Biologieunterricht. Diese Pflanzen werden von den Schülern gepflanzt, gepflegt und theoretisch behandelt.
Der Besuch wurde abgeschlossen mit einer Podiumsdiskussion. Diese musste beendet sein, bevor die Mittagspause an der Schule eingeläutet wird, denn dann werden auch die Tische an den wir Platz gefunden haben für die Mittagsversorgung benötigt. Unsere Gegenüber bei der Podiumsdiskussion war ein Diskussionskurs, also Schüler, die ausgebildet waren, mit uns ein Gespräch zu führen. Das Gespräch mit Mittelschüler dieses Kurses zu führen, war für einige unserer Mitfahrer schon richtig schwierig.
Auf dem Weg aus der Schule habe ich an einer Wand noch etwas Interessantes entdeckt. Aus früheren Besuchen der USA und aus verschiedenen TV-Formaten kennt man die Trinkwasserbrunnen an denen man sich kostenlos erfrischen kann. Ein solcher Brunnen in der Schule war inzwischen schon erweitert worden. Man konnte sich nicht nur erfrischen, sondern auch seine Trinkflasche auffüllen, ohne wie früher die Flasche unter den Strahl halten zu müssen und gut zielen zu können.
Während wir die Schule verlassen, wird uns noch deutlich, dass der Eingang eine Sicherheitsschleuse ist. Während wir in die Schule gekommen und wieder gegangen sind, war die Schleuse entriegelt und wir konnten beide Türen auch gemeinsam durchschreiten.
Nach der Schule ging es weiter zur Betriebsbesichtigung incl. Mittagessen bei der Firma Kaleidoskop. Die Firma Kaleidoskop ist eine Industrie Designer mit einer großen Prototypenfertigung. Als Dienstleister arbeitet Kaleidoskop auch für große Konzerne wie z.B. P&G oder Microsoft. Verschieden Produkte wurde uns vorgestellt, sowohl die fertigen und kompletten Produkte sowie auch die den Anteil den Kaleidoskop an diesem Produkt hatte. Ein gutes Beispiel ist die Verpackung für Duschgel. Wenn Duschgel auch über online Händler wie Amazon vertrieben werden soll, dann sind die aktuellen Flaschen zu schwer und kosten zu viel Porto. Es wurde eine Verpackung aus Folie entwickelt, die beim Abfüllen aufgeblasen und damit formstabil wird. Nur Luft wiegt halt für den Versand nichts.
Ein zweites Standbein neben der realen Produktentwicklung ist die digitale Produktentwicklung. Hierbei befassen sie sich auch mit Virtuellen Welten für die Fertigungsplanung und das Mitarbeiter Training. Neugierig wie TobbY durch seinen letzten Job ist, hat er sich in das Training mit Virtueller Brille und zwei Flightsticks gestürzt. Nach einer kurzen Eingewöhnung habe ich die Aufgabe dann erfolgreich durchführen können, auch wenn das Arbeiten in einer Virtuellen Welt noch was Neues für mich ist.
In der kleinen Kantine der Firma konnten wir dann auch unser Mittagessen einnehmen. Es gab Fast Food der gehobenen Kalsse. Salat, Suppe oder Sandwiches. Mit diesem Mittagessen muss man sagen ist der Bauch gefüllt, aber ich nehme lieber deutsches Fastfood wie Döner oder Pizza. Bereits während des Besuches und bevor wir uns zum Mittagessen gesetzt haben, hatte Marion 2 über Kopfschmerzen geklagt und wurde von Marc 3 zurück ins Hotell gebracht.
Der Rest der Delegation besteigt nach dem Mittagessen wieder den Bus, um in die größte Augenklinik in den USA zu besuchen. Bevor wir aber in den Bus einsteigen konnten haben wir an der benachbarten Firma noch die Feuerwehr im Einsatz gesehen 4.
Dann ging es weiter mit dem Bus zu einem eher unscheinbaren Bürogebäude. In diesem Gebäude befindet sich nach eigenen Angaben die größte Augenklinik der USA, dass Cincinnati Eye Institute (CEI). Wir wurden erst kurz durch den OP-Bereich geführt, konnten aus einem Beobachtungsraum auch Ausschnitte einer OP beobachten. Anschließend ging es dann in einen Konferenzraum. Dort stand uns dann ein Arzt Rede und Antwort. Er sprach überraschend gut Deutsch, sodass wir uns auch für seinen Werdegang interessiert haben. Er ist mit 4 Jahren mit seinen Eltern aus Erlangen eingewandert. Um unsere amerikanischen Gastgeber nicht auszuschließen hat er das überwiegende Gespräch in Englisch geführt. Interessant für mich war die Aufteilung der Augenärzte im Großraum Cincinnati. Es gibt „niedergelassene“ Augenärzte, die zum CEI gehören. Sie führen die Vor- und Nachuntersuchungen und Betreuung durch, während im CEI die operierenden Augenärzte die notwendigen OP’s durchführen und, wie er uns vorgeschwärmt hat, so einen hohen Trainingszustand hat. Unter den „niedergelassenen“ Augenärzten gibt es eine weitere Fachrichtung. Diese Ärzte kümmern sich um die Verschreibung von Brillen. Mit dieser Verschreibung bekommt man dann beim Optiker eine Brille.
Im Anschluss an diese Betriebsbesichtigung ging es mit einem Abstecher am Hotel 5 auf die andere Seite des Parks. Dort ist im „Hamilton County Coroner“ das „Crime Lab“ untergebracht. Für die Besichtigung des Crime Lab, auch ein recht neues Gebäude auf dem ehemaligen Flugplatz hat uns Luis wieder die Ehre gegeben. Leider hatte ich schon alle Ärmelabzeichen verteilt, denn in der Lobby hat auch dieses Labor eine Wand mit Ärmelabzeichen, aber Luis hatte noch eins in seinem Schreibtisch und hat seinen Kollegen angefunkt. So hatte ich die Chance am Ende der Besichtigung noch als Dankeschön ein Ärmelabzeichen zu verschenken 6 .
Das Labor verteilt sich auf drei Etagen. Aus der Lobby geht es gleich weiter in einen Hörsaal eh wir dann den eigentlich Laborbereich betreten dürfen. Ein Konzept für dieses Gebäude: In alle wichtigen Labor- und Arbeitsräume sollen die Mitarbeiter bei natürlichem Licht arbeiten dürfen. Im Erdgeschoss wurde uns die Annahme für die Asservate gezeigt. Die Pforte, Montag bis Freitag 24h besetzt, 7 nimmt die Asservate entgegen und führt eine Markierung durch. Das Labor bearbeitet ca. 40 000 Fälle pro Jahr. Dann werden die Asservate bis zur weiteren Untersuchung eingelagert. Das Ziel ist, das kein Asservat länger als für die Untersuchungen nötig im Gebäude verbleibt, und die Durchlaufzeit möglichst unter einer Woche ist. Neben der Pforte sind im Erdgeschoss noch der Präparationssaal sowie der Beschussraum.
Auch der Präparationssaal war sehr interessant aufgebaut. Damit Besucher / Beobachter nicht in den Saal müssen, gibt es einen, durch eine Glasscheibe abgetrennten Beobachtungsraum. Vor dem Fenster steht ein Obduktionstisch, der im Gegensatz zu den sonstigen Tischen im Saal um 90° gedreht war, damit man der Untersuchung besser folgen kann. Die Kommunikation mit dem Gerichtsmediziner erfolgt über ein Headset und ein Micro im Beobachtungsraum. Für die Beobachter sind in dem Beobachtungsraum Sitzplätze, damit sie nicht umfallen, und wenn sie mit dem Stuhl umfallen, ist der Raum mit Teppichboden ausgelegt. In den USA kann jeder ab einem Alter von 21 Jahren bei berechtigtem Interesse einer Obduktion beiwohnen. Medizinstudenten machen einen großen Anteil unter den Beobachtern aus.
Die Obduktionstische sind eine Eigenentwicklung des Labors zusammen mit dem Hersteller, der inzwischen über 100 Stück verkaufen konnte. Neben dem Präparationssaal befinden sich Kühl- und Gefrierschränke 8 aber auch für die Leichen gilt der gleich Vorsatz, eine möglichst kurze Durchlaufzeit und damit eine kurz Aufenthaltsdauer.
Im ersten und zweiten Stock sind die weiteren Labore: Toxikologie, Drogen 9, Biologie und DNA. Die Labore sind von einem Gang an der Außenwand umgeben und reine Glaskästen. Pro Labor arbeiten im Schnitt 2 – 6 Techniker / Wissenschaftler. Der Gerätepool zur Analyse ist sehr umfangreich und hoch modern. So sind die Analysesystem mit den Arbeitsplätzen vernetzt und wenn die Analysen abgeschlossen sind, werden die Daten an die Schreibtische der Ermittler übermittelt. Diese Schreibtische (cubicals) sind in einem breiteren Gang außerhalb der Labore. Auch bzw. gerade für die Laboruntersuchungen sind Durchlaufzeiten von durchschnittlich 1 Woche normal. Enrico, der Polizist in unserer Gruppe meinte zu uns, dass die Durchlaufzeit für eine DNA-Analyse in Deutschland eher bei einem Jahr als bei einer Woche liegt.
Allein im Bereich der Drogenanalyse werden in dem Labor 10.000 – 11.000 Fälle pro Jahr bearbeitet, 6 Labortechniker bearbeiten 100 Fälle im Monat jeder. Dafür gibt es nur in diesem Laborbereich 6 Gaschromatographen, die jede Nacht laufen. So können die Daten am kommenden Tag in den Berichten zusammengefasst werden. Durchlaufzeit auch in hier kleiner als eine Woche.
Im Rahmen der Führung wurden auch noch weitere Untersuchungsmethoden und der dafür Notwendigen Technik im Detail erläutert. Die teure verfügbare Technik, die wir nicht mal in der Stückzahl in der Universität verfügbar haben, ermöglicht die kurzen Durchlaufzeiten.
Mit einfachen Techniken, wie z.B. Fingerabdrücken beschäftigt sich das Labor nicht, das können die Polizeieinheiten selbst.
Neben den Laboren gibt es auch zwei Videokonferenzräume. Diese wurden während der Corona Pandemie eingerichtet und werden auch weiterhin genutzt. Wenn der Richter es zulässt, dann muss der Gutachter aus dem Crime Lab nicht mehr persönlich vor Gericht erscheinen. Im zweiten Stock gibt es anschließend an den Pausenraum einen Pausenbereich auf der Dachterrasse.
Nach dem Besuch im Crime Lab ging es dann zurück ins Hotel. Dort hatten wir ein paar Minuten Zeit die Geschenke und Informationsmaterialien im Zimmer abzulegen, mussten dann aber gleich weiter zu einem Stehempfang mit Häppchen im „Northern Tower Room“. Bei dem Stehempfang gab es Häppchen neben den Gesprächen mit Geschäftsleuten und den Fotobüchern über Blue Ash. Die fast einhellige Meinung aller Mitfahrer war, diesen Programmpunkt hätte mach einfach ersatzlos streichen können.
Nach dem Stehempfang ging es dann durch den Park zum Abendessen in einem Hot Dog Laden (Senate) im Eingangsbereich des Parks. Bei dem kleinen Spaziergang 10 von dem Tower zum Eingang haben wir schon einige Absperrgitter für die Veranstaltung am Sonntag gesehen und auch Elektriker die Verteilerkästen aufstellen. Die Veranstaltung am Sonntag, zu der auch wir eingeladen sin nimmt Formen an.
In der Kneipe haben wir uns gut unterhalten, ich habe noch mal eine Runde mit KB8JTU die QSL Karten ausgetauscht und ein wenig geschwatzt. Dann hat er mir auch noch einen Hot Spot auf gemacht, denn in der Kneipe gab es zu unserer Überraschung kein W-Lan und wir wollten was nachsehen, denn in Ilmenau lief die erste große Veranstaltung in der renovierten Festhalle. Nach den Häppchen nicht verkehrt, waren die Portionen mit den Hot Dogs in der Kneipe recht übersichtlich. Was wieder auffällig war, war die ziemlich korrekte Orientierung an dem Terminplan. Dieser sagte 19:30 Uhr „Free time / Return to hotel“ also wurde pünktlich 19:29 die Tafel aufgehoben und der Aufbruch eingeläutet, und das obwohl wir nur Laufweite 11 vom Hotel entfernt waren.
In der Hotellobby gab es dann wieder die abendliche Runde mit Daniel, Phillip, Sebastian, Larissa, Enrico und mir. Anfange schlossen sich auch noch Marc und ein weiterer von unseren Gastgebern an. Und da wir dieses mal Bier an der Rezeption holen mussten, hat Marc mich jetzt aufgefordert eine Bier Empfehlung abzugeben. Mein Gesicht bei dem Bier am erste (zweiten) Abend grämt ihn scheinbar immer noch 12. Ich habe mich dann für Corona entschieden.
Je später der Abend umso … nach ja wie meinte Phillip: „Es singt für Sie: Das Niveau“ … Um es zu untersetzen: Es ist eine Haarige Angelegenheit… An der Stelle habe ich für mich den Abend dann für beendet erklärt und bin rauf aufs Zimmer Tagebuch schreiben.
- Green Screen Technologie[↩]
- Bodlak [↩]
- dem Major von Blue Ash [↩]
- Louis hat mir dann später erzählt, das sie eine BMA Einsatz hatten. [↩]
- Einige städtische Mitarbeiter hatten heute ihren Fachausflug in den entsprechenden Abteilungen der Stadtverwaltung.[↩]
- Hinweis für den Fall, das ich noch mal nach Blue Ash fliegen darf oder für andere Kameraden, nehmt genug Ärmelabzeichen mit. [↩]
- am Wochenende ist ein Mitarbeiter vom Dienst im Haus, weitere Kriminaltechniker und Ermittler werden von daheim allarmiert [↩]
- Für die „long term residenz“ (Langzeitgäste) wie uns von der Führerin erzählt wurde. [↩]
- ist von der Toxikologie getrennt [↩]
- knapp 500 m [↩]
- 350 m [↩]
- Ich wusste an dem Abend nicht, was mir diese Biergeschichte noch für Erlebnisse einbringen wird, aber das ist eine andere Geschichte. [↩]





















