Wenn wir schon im Sünden Dänemarks auf der kleineren Insel Fallster sind, dann ist es bis nach Rødbyhavn auf Lolland auch nicht mehr weit. Von meinem Kollegen Andreas M. hatte ich den Tipp bekommen, dass die größte Infrastrukturbaustelle Europas sehr interessant sein soll. Das kann ich vorab schon mal bestätigen.
Nach dem Frühstück 1 haben wir uns dann auf den Weg gemacht und sind über die E47 nach Rødbyhavn gefahren. Unterwegs wurde es noch spannend, aber nicht, weil die Reise so spannend war, sondern weil uns Nachrichten von daheim ereilten, die keinen Aufschub bedurften und nebenbei koordiniert werden mussten. Plötzlich auf der Autobahn klingelte unerwartet geli Handy mit einer Nummer, die wir nicht kannten. Geli hat das Gespräch angenommen und eine Mitarbeiterin einer Spedition meldete sich, dass sie einen Schreibtisch liefern sollen, und die Adresse nicht finden können, und ob wir ihnen den Schreibtisch auch abnehmen würden. Über das Projekt höhenverstellbaren Schreibtisch für geli’s home office Platz können wir eigentlich schon ganze Romane schreiben, aber nun ist die Spedition fast im Amselweg 2 und jemand muss ihnen den abnehmen und bei uns rein stellen.
Nach dieser Info, die uns leider nicht im Vorfeld bekannt war, ging das große Organisieren los. Erste Idee, Wimpel. Sie findet aber unseren Schlüssel nicht und hat auch gerade das Essen auf dem Herd, am Ende ist sie ohne Schlüssel, ohne Handy aufgebrochen und nur die Nudeln sind zerkocht. Zweite Idee Hannes: Nur ist Hannes nicht ans Telefon ran gegangen als geli angerufen hat, da wir das Problem hatten, dass wir mal wieder ohne Nummer bei Ihm angekommen sind. Laut Telefonica Deutschland sind sie nach einer Änderung der Europäischen Regelungen zum Roaming nicht zuverlässig in der Lage die Handy Nummern zu übertragen. Da die Technische Möglichkeit zur Rufnummernübertragung im Roaming aktuell auch massiv zum Fälschen von Rufnummern genutzt wird, sind die Netzanbieter verpflichtet nur noch echtes Roaming mit Rufnummernanzeige zuzulassen. Dies bekommen die Netzanbieter untereinander aber noch nicht zuverlässig hin. Also ihm im Signal noch mal geschrieben, dort antwortete er umgehend und rief auch über Signal zurück. So konnten wir ihm erklären was wir wollten und er war ca. 5 min später mit Schlüssel bei am Haus. Er ist dann über die Tür unter dem Carport auch ins Haus reingekommen, hat aber die Haustür nicht geöffnet bekommen. Das müssen wir uns wohl anschauen, wenn wir wieder daheim sind. Der Hinweis, den Tisch über die EG Tür rein zu tragen war aber dann noch sehr hilfreich, jedenfalls steht er jetzt im Flur und alles andere können wir machen wenn wir wieder daheim sind.
Anschließend haben wir noch in Iserlohn angerufen, denn dort ist seit gestern Alin mit Familie zu Besuch und meine Eltern überlegen, was man mit einem 3 jährigen Steppken sinnvoll unternehmen kann. Während des Telefonates haben wir dann auch kurz Alin an die Strippe bekommen, mussten dann aber abbrechen, da wir am Besuchercenter in Rødbyhavn angekommen sind.
Bevor wir aber in das Besuchercenter rein gegangen sind, haben wir einen Spazziergang auf die Brücke über die Wartespuren der Fähre gemacht. Von dort konnten wir einer Fähre beim Ablegen 3 und einer weiteren beim Anlegen zuschauen. Die Logistik ist schon beeindruckend, die hier bei dem 30 min. Takt an den Tag gelegt wird. Die Fähre liegt noch nicht am Anleger, da werden schon die ersten Spuren Abfahrtsbereit in den Zubringern bereitgestellt. Wenn dann das letzte Auto am Abzweig zur Ausfahrt vorbeigefahren ist, beginnt schon der Beladevorgang. Die Dänen haben wie angekündigt auch die Stichprobenkontrollen verschärft und so war die Beladung abgeschlossen, noch bevor das letzte Fahrzeug durch die Einreisekontrolle auf der E47 war.
Danach sind wir direkt von der Brück weiter ins Besuchercenter gelaufen. Dort war es gerade sehr voll, da eine Busladung Dänen gerade eine Führung erhielt. Wir haben dann erst mal die Meinungen zur Querung im Außenbereich gelesen 4 5 6 , eh wir dann doch in das Besuchercenter rein gegangen sind. Drinnen gab es dann einen Cappuccino oder einen Heiße Schokolade und wir haben uns über das Projekt und den aktuellen Stand ausführlich informieren können.
Der Tunnel soll als Absenktunnel gebaut werden. Getrieben wird das Projekt von Dänemark, die auf der Ihrer Seite auch den größeren Aufwand treiben. Während in Puttgarden nur ein kleiner Arbeitshafen angelegt wird und das Portal mit einigen km Anbindung gebaut werden muss, entsteht in Dänemark eine Fabrik für die Tunnelelemente. 79 217m lange Tunnelsegmente sollen dort gefertigt werden, sowie 10 kürzere Spezialelemente. Diese mit einer Technik Ebene aufgebauten Module sollen alle 2 km im Tunnel mit eingebaut werden und die gesamte notwendige Tunneltechnik aufnehmen. Wenn ein Segment fertig ist, wird es beidseitig mit wasserdichten Schotten verschlossen und das Trockendock geflutet. Dann schwimmen die fertigen Segmente auf, sollen noch mit zwei Stabilisierungspontons versehen werden und von vier Schleppern an den Verbauort im Sund geschleppt.
Verbaut werden die Elemente in einem Tunnelgraben, von dem Aktuell 90% ausgehoben sind. Für den Rest gibt es aktuelle gerade bei den Saugbaggern ein Problem, der Anteil na Bentonit ist auf dem aktuell zu bearbeitenden Stück so hoch, dass die Rohre der Saugbagger immer wieder verstopfen und die Saugbagger dann zur Rohrreinigung nach Polen abdrehen müssen. Diese Info haben wir an der Aussichtsplattform bekommen. Während wir uns noch in dem Info Zentrum umgeschaut haben und TobbY sich gerade über die Zukunft der Tunnelfabrik erkundigt hat, kam eine Deutsche Führung rein, der wir uns dann ein wenig angeschlossen haben. Die Gäste waren von Straßen NRW.
Aber zurück zur Tunnelfabrik; Über die Errichtung, den zukünftigen Arbeitsprozess, die Bedingungen für die Arbeiter incl. des Standards ihrer Unterkünfte erfährt man im Internet und auch im Besucherzentrum so einiges. Interessant auch, dass es für die Zusammenarbeit mit den Behörden ein eigenes Behördenzentrum an der Baustelle gibt, aber was man nicht erfährt, was passiert mit der Fabrik nach Fertigstellung des Tunnels. Bei dem gesamten Projekt wird stark auf das Thema Nachhaltigkeit wert gelegt, so musste die zerstörte Natur wieder aufgeforstet werden, was vor allem durch die Landgewinnungsmaßnahmen im Rahmen des Ausbaggerns der Tunnelrinne passiert, aber was mit der Fabrik geschieht, wird nirgends beschrieben.
Auf Nachfrage wird dann klar, warum das Thema aktuell nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden kann. Bisher war allen Beteiligten klar, nach Abschluss der Arbeiten wird die Fabrik zurückgebaut und die Arbeitshäfen geschlossen. Aber seit einigen Wochen gibt es neue Ideen einer zukünftigen Weiternutzung. So planen die Dänen weitere Tunnelprojekte, vor allem im Großraum Kopenhagen und überlegt aktuell auch für die Tunnel die Tunnelelemente in Rødbyhavn zu bauen und dann mit Schleppern an ihren Bestimmungsort zu ziehen. Für diese Weiternutzung der Fabrik muss aber die Genehmigung der Fabrik angepasst und einige Materialströme 7 geändert werden. Daher konnte mir auf die Frage keiner eine Antwort geben.
Wert wird auch auf Nachhaltigkeit an anderen Stellen gelegt. Der Seilbagger für die tieferen, aufgrund der Meeresbodenbeschaffenheit nicht mit Saugbaggern ausgeführten Arbeiten ist ein Hybrid Bagger. Beim Ablassen der Schaufel erzeugt der Motor Energie die gespeichert und für das Heraufholen der Schaufel wieder verwendet wird. Laut Webseite 8 wird in dem Projekt ein vielfaches des Eifelturmes an Stahl verbaut. Dieser soll recycelter Stahl sein. Genauso kommt der Kies aus Norwegen, der Abraum aus Tunnelprojekten dort.
Zum Thema Nachhaltigkeit gehört in gewissem Maße auch der Umwelt und Naturschutz. Während man in Deutschland immer nur hört, das dieses ganze Projekt quatsch ist, Geld verschlingt und die empfindliche Natur im Naturschutzgebiet Fehmarnbelt zerstört 9 klingt das aus Dänischer Sicht gänzlich anders. Der Nabu Dänemark ist in das Projekt von Beginn an integriert worden. So konnten Bedenken gleich diskutiert und sinnvolle Lösungen gefunden werden. Ein Beispiel wurde mit Videos im Infocenter ausführlich dokumentiert, die Sprengung einer Weltkriegsbombe, die man bei den Baggerarbeiten gefunden hat. „Bei der kontrollierten Sprengung wurden ein doppelter großer Blasenschleier eingesetzt, um den Unterwasserschall zu minimieren. Darüber hinaus wurden Pinger und sogenannte „Seal Scarer“ als akustische Vergrämungsmaßnahmen verwendet, um Meeressäuger wie Schweinswale oder Seehunde aus dem betroffenen Gebiet fernzuhalten. Zusätzlich waren Walbeobachter im Einsatz, die das Areal großflächig überwacht haben. 10 “ Ein weiteres Beispiel hatte der Führer erklärt. Auf der Dänischen Seite wurden im Baugebiet seltene Frösche gefunden. Die Biologen des Dänischen Naturschutzbundes haben vorgeschlagen, einen ca. 6 km langen Froschzaun zu errichten 11 Dann wurden die Frösche eingesammelt und auf einer Ausgleichsfläche wieder ausgewildert. Inzwischen zeigen Nachuntersuchungen das sich die Frösche in dem neuen Lebensraum so gut eingelebt haben, dass ihr Bestand stetig wächst.
Im Weiteren sind wir wie schon angesprochen der Gruppe von Straßen NRW zum Aussichtspunkt gefolgt. Dieser Aussichtspunkt war vor 2 Jahren noch direkt hinter dem Deich am Meer, jetzt muss man sich schon Strecken, damit man überhaupt noch Wasser sehen kann. An dem Aussichtspunkt und auch schon vorher hat der Führer auch über die Quartiere der über 1000 Arbeitskräfte gesprochen. Diese haben mind. 9 m² mit Dusche, WC und schnellem Internet, denn viele Arbeitskräfte kommen aus dem Ausland, vor allem Polen. Es gibt eine Kantine die 24 h, 7 Tage die Woche geöffnet hat und einen Supermarkt. Das Kantinenessen muss so gut sein, dass die Pizzerien, die in Erwartung eines guten Geschäftes mit den Arbeitern dort eröffnet haben, nicht begeistert sind. Die Arbeiter gehen eigentlich nur in den Ort, wenn sie eine Flasche brauchen.
Danach sind wir nicht weiter mit der Gruppe mitgefahren, sondern haben versucht auf eigene Faust den neuen Haltepunkt Rødby gesucht und auch gefunden. Man sieht, das die Dänen hier genauso ein Tempo vorlegen, wie auch am Tunnel selbst. Die Eisenbahnstrecke nach Rødbyhavn und über die Fähre war mit dem Fahrplanwechsel Winter 2019 stillgelegt worden, damit der Ausbau für den Anschluss an den Tunnel gebaut werden kann. Wenn man die Strecke aktuell anschaut, dann ist die schon überwiegend so weit, das neue Gleise auf dem Bett verlegt werden können. Zurück am Wohnwagen habe ich dann zu dem Thema noch ein wenig recherchiert, und man findet gerade in den Deutschen Medien viele Artikel das man der Einstellung der letzten Eisenbahnfähre nachweint, dass man sich Fragt ob Fehmarn jetzt vom Fernverkehr abgehängt wird bis hin zum Gedanken, das wird mit dem Tunnel ja eh nix und dann geht die Fähre wieder in Betrieb. Aber leider findet man kaum etwas dazu, dass in Vorbereitung des Tunnelanschlusses die Strecke ertüchtigt wird. Jetzt wäre die Gelegenheit hier ohne große Einschränkungen die Strecke neu aufzubauen, damit sie auch die nächsten Jahre den erwarteten Zugverkehr verkraften kann.
Hier an der Stelle breche ich jetzt den Bericht von der Baustelle ab und werde nur noch kurz ein paar Dinge der weiterfahrt erwähnen. Es ging also weiter bis über die „Kong Frederik d. IX Broen“ nach Nykøbing Falster. Dort sind wir in einen Supermarkt, da wir noch etwas fürs Abendbrot gebraucht haben. Da geli mal wieder in den Unterzucker gefallen war, hat sich TobbY entschieden den letzten Teil der Fahrt zu übernehmen und hat damit mal wieder alles falsch gemacht.
Wieder am Campingplatz angekommen hat TobbY mit dem Campingplatzbetreiber gesprochen, denn ihm war gestern Abend aufgefallen, dass eine der Beleuchtungen am Weg ausgefallen ist und gerade diese Beleuchtung beleuchtet die Treppenstufen am Denkmal und ohne Beleuchtung ist es eine unschöne Stolperstelle. Daraufhin wurde TobbY informiert, dass er das heute nicht mehr beheben kann, denn sein Mitarbeiter ist schon im Feierabend und er muss jetzt noch die Rezeption bis 21:00 Uhr hüten und dann gehe er ins Bett. Während des Abendessens muss aber die Anreisewelle noch mal so heftig geworden sein, das er ihn doch noch mal her bestellt hatte und er doch noch die Lampe repariert hat 12 .
Nach dem Abendbrot bin ich dann noch mal zur Toilette gegangen und habe auf dem Rückweg einen sehr fotogenen Sonnenuntergang über der Brücke entdeckt. Diesen haben Nils und ich dann noch versucht abzulichten und haben einiege sehr schöne Bilder hinbekommen. Andere sind leider verwackelt aber daran arbeiten wir dann vielleicht morgen noch mal.
- Die Nachbaren waren schon beim Mittagessen [↩]
- Aktuelle wohl noch in der Leiterbachsiedlung [↩]
- gerade als wir auf der Brücke angekommen sind [↩]
- z.B. hat ein Dänisch-Deuschte Paar bereichtet, wie es sich im Schüleraustausch kennen gelernt hat und hofft jetzt, das diese Programme durch das Zusammenwachsen der Region wieder zu nehmen werden, [↩]
- oder eine Auszubildende, die aus Dänemark kommend, in Lübeck ein Elektriker Lehre macht und dann in Deutschland studieren will, so aber schneller wieder daheim bei den Eltern ist [↩]
- oder zuletzt der Malerbetrieb aus Lolland, der schon ¾ der Belegschaft Deutsche eingestellt hat, und der sich neben mehr Personal auch Aufträge in Deutschland erhofft [↩]
- vor allem Wasser [↩]
- https://femern.com/de/ [↩]
- https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/verkehr/verkehrsinfrastruktur/fehmarnbeltquerung/28486.html [↩]
- https://femern.com/de/presse/aktuelles/wasserbombe-kontrolliert-gesprengt [↩]
- So einen Froschzaun, wo die Frösche aus dem Gebiet raus, aber nicht rein hüpfen können. [↩]
- Hab ich den Tag drauf erfahren als ich mich bei Ihm noch bedankt habe. [↩]












erst jetzt gefunden. Bilder vom Sonnenuntergang snd sehr schön. 4.9. mami