Heute bin ich um 05:00 Uhr Ortszeit geweckt worden. Wovon genau kann ich nicht mehr nachvollziehen, aber meine Aufzeichnungen informieren mich, das es Diskussionen mit geli im Signal gegeben hat. Wir müssen gerade mit der Zeitverschiebung zurechtkommen. Warum tippe ich, zu meiner Tageszeit etwas ins Signal und berücksichtige nicht, das sie gerade im Traumland weilt und von dem Handy geweckt wird. Aber die Diskussion konnte man dann mit dem „Bitte nicht stören Modus am Handy“ lösen.

Wenn man so früh aufwacht, dann macht man sich auch Gedanken über Dinge, über die man sich eigentlich keine Gedanken machen muss. Warum Träume ich schon wieder Zweisprachig und wieso formuliere ich Antworten an meine Frau auch schon zweisprachig bzw. gleich in Englisch. Wahrscheinlich bin ich nach knapp einem Tag bereits richtig in den USA und im Englischen angekommen bin, auch wenn ich immer wieder feststelle, das mein Konversation Englisch stark eingerostet ist und ich ständig nach Vokabeln suchen muss.

Um 06:15 wurde ich Zeuge einer Lichtshow. Diese wurde von der Parkbeleuchtung in der ersten Reih erzeugt, und zwar mit farbigen Lichtblitzen. Und wenn man dann schon so früh wach ist, bekommt man viele Dinge mit. So stehen einige Fahrzeuge mit laufendem Motor auf dem Parkplatz oder auch gestern der Bus. Umweltschutz wird vielleicht in einigen Bundesstaaten schon größer betrachtet, aber hier ist immer noch zu viel Plastik und Einweggeschirr im Umlauf. Pfand dafür gibt es wohl auch nur in einigen Bundesstaaten.

Aber kommen wir jetzt zu dem Bericht des Sporttages.

Nach dem Frühstück sind wir mit dem kleinen weißen Bus aufgebrochen nach Cincinnati ins Paycor Stadium. Das ist das Stadium der Cincinnati Bengeals. Hier wurden wir im Fan Shop erwartet und es ging zu einer Führung durch das Stadium. Um zwischen den Ebenen zu wechseln, gab es einen Industrie Aufzug. Geführt wurden wir von zwei Führerinnen gemeinsam, wobei es mir vorkam, als ob die jüngere die Chefin und ältere eine Freiwillige ist. Und die Chefin hält sich bei der Führung sehr strikt an eine Vorgabe währen als später die Chefin weg war die ältere etliches aus den Nähkästchen geplaudert hat, was ich viel informativer fand.

Uns wurde die riesige Gäste Umkleide gezeigt und erzählt das es die größte in der Liga sei. Die Heimumkleide darf man nicht besichtigen, denn die Spieler haben jederzeit Zutritt zum Stadium, um zu trainieren. Außerdem sind die Heimumkleiden wohl immer sehr luxuriös angelegt. Aber auch die Gäste Umkleide war schon beachtlich, es gab eine eigene Umkleide für den Trainerstab und selbst diese war größer als die meisten Schulumkleiden die ich so kenne.

Zur Umkleide gehört auch ein Presseraum, dem man genauso wie dem großen Presseraum im Stadium ansieht, das er vor der Zeit von Internet, W-Lan und Mobiltelefon entstanden sein muss. Ein Upgrade in diese Zeit erscheint mir mehr als angeraten, auch wenn die vorhandenen Anlagen technisch und von der Ausstattung gut in Schuss sind.

Nach dem Presseraum musste uns die Hauptführerin leider verlassen, was in meinen Augen aber kein Verlust sondern für die Führung eher ein Gewinn darstellte. Die Älter Dame hatte ein freches Mundwerk, vor allem in einem der vier Partyräume hat sie einiges über das County dem das Stadium gehört gelästert. Es gibt immer wieder Vorschläge, wie man das Stadium überarbeiten und modernisieren sollte, aber viel sind Vorschläge ohne Substanz; so z.B. ein Stadium Dome. Vielleicht sollte man hier den geneigten Leser daran erinnern, dass die USA noch mehr im Kapitalismus lebt. Das Stadium ist vom Landkreis 1 errichtet worden und wird auch von ihm Unterhalten, dann aber dem Verein zur Verfügung gestellt. Die Verträge dazu laufen in ein paar Jahren aus, und bei deren Verlängerung feilscht man, welche Modernisierungen und Zusätze der Verein bekommen wird 2 und der Verein droht offen mit Abwanderung in eine andere Stadt, die in diese Richtung mehr investiert.

Kommen wir aber noch mal zurück in den Partyraum in dem wir uns gerade aufgehalten haben. Die Miete für den Partyraum während eines Spieles liegt bei ca. $ 40 000 US für max. 40 Personen, die Versorgung ist in der Summer schon inbegriffen. Die Fenster des Raumes lassen sich teilweise öffnen, wenn man etwas von der Stimmung mitbekommen mag, aber auch hierzu meinte unsere Führerin, für den Preis sollte dieser Raum auch weiter ertüchtigt werden.

Sie erzählte dann auch noch ein wenig abfällig über die Managerin für das Stadion auf Seiten des Landkreises, sie habe viele Ideen aber wenig Wissen. So wäre mal angefragt worden, ob ein public viewing des Superbowl hier stattfinden können, aber z. B. das Sicherheitspersonal, das Personal für die Versorgungsstände und auch die Techniker der Viedeowände sind alle auch in LA eingeplant und daher hat man dann Absagen müssen. Wieso kann man das nicht besser planen?

Auch interessant ist der Kartenverkauf. Man muss im Besitz einer Dauerkarte sein, damit man Karten für eine Spiel kaufen kann. Ich habe den Preis der Dauerkarte vergessen, aber die billigen Plätze auf dem 3. Rang kosten dann pro Spiel noch mal in der Größenordnung $ 75 US. Daher kaufen alle Dauerkartenbesitzer auch die Spielkarten um sie anschließend weiter verkaufen zu können und damit die Dauerkarte zu finanzieren.

Wie ich das von den Ausflügen auf internationalen Konferenzen in den USA oder China kenne, muss neben den Besichtigungen immer ein Ausflug in den Merchandising Shop mit angegliedert werden. Mir war das persönlich deutlich zu Teuer, aber etliche der Mitreisenden haben hier schon mal die erste Runde Mitbringsel geshoppt. Dafür hätte mein Koffer nicht ausgereicht.

Vom Football zum Baseballstadion führte uns ein kurzer Fußweg, bei dem wir unter anderem ein Stück Berliner Mauer besichtigen mussten. Die letzte Straße vor dem Baseball Station war wieder so eine DORA Area und auch wenn es gerade erst 12:00 Uhr war schon gut besucht. Mann muss aber auch dazu sagen, beim Baseball spielen die Mannschaften immer mehre Spiel gegeneinander am gleichen Ort mit der gleichen Paarung und dann geht es weiter zum nächsten Spieltag. Eins dieser Spiele findet am frühen Nachmittag statt, damit Firmen dort Ausflüge hin machen oder Geschäftspartner zu einem Spiel einladen können.

Wir sind von unseren Gastgebern zu dem Spiel eingeladen worden. Bei Betreten des Stadions wurde wir noch mal drauf hingewiesen, dass die Eintrittskarte noch einen $ 20 US beinhaltet, den wir bitte für unseren Mittags Snack verwenden sollen. Ich hab mir dafür ein „alkoholfreies“ Bier und Natchos geholt, aber hätte ich den weiteren Tagesablauf vorher begriffen, hätte ich anders Planen können und sollen 3 4 . Kommen wir aber zurück zu dem Spiel bzw. ja, wie geht das überhaupt. Die Regeln konnte mir einfach so keiner erklären, wenn man das Spiel dann mal verfolgt hat und anschließend noch mal ein wenig zu dem Regelwerk nachließt, dann wird einem das alles klarer, aber sie sind schiens auch nicht Trivial. Mit meiner totalen Ahnungslosigkeit kommt mir das ganze Spiel wie eine Stand-Sport vor; und wenn mal Bewegung auf dem Platz ist, dann hat man die garantiert verpasst.

Unsere Gastgeber wollten sich aber immer wieder als die perfekten Gastgeber zeigen und so kam laufend die Frage, „alles Ok?“. „Willst du noch was zu Trinken?“ „Kann ich dir noch was besorgen?“ Ok wenn ihr mich schon dahin drängt, dann musste ich einen Cincinnati Cheese Coney 5 probieren und wenn ich schon die Natchos nicht im Helm genommen habe, dann wenigstens ein Eis. Der Cincinnati Cheese Coney ist ein HotDog kombiniert mich Chilli und geriebenem Cheddar Käse, vom Geschmack aber auch vom Gehalt sau geil.

Kommen wir aber zurück zum Spiel; die Cincinnati Reds haben gegen Texas im 9. Inning mit einem Homerun gewonnen. Unsere eigentlichen Plätze waren auf der unteren Tribüne im Überdachten Bereich. Da es auf den Plätzen ganz schön Kalt war und in der Sonne bestes T-Shirt Wetter, sind wir in die Sonne umgezogen.

Offiziell Bilder von der Fahrt werden in den Sozialen Medien durch die Stadtverwaltung erst nach der Reise veröffentlicht, denn es gibt leider sehr viele Neider und man würde damit nur unnötige Diskussionen herauf beschwören 6 .

Wie schon am Vormittag im Football Stadium ging es auch nach dem Spiel noch im Fan Shop vorbei. Ich konnte mein Geld aber zusammen halten und habe wieder den Einkauf von Nippes und Zeug verweigert 7 .

Heute abend steht das schon in Deutschland angekündigte Dinner bei den Stadtratsmitgliedern an. Ich darf mit Horst Brand 8 und Phillip zu Jill Cole und Steve zum Barbecue. Aber nicht das ich mal wieder total auf dem Holzweg war bei dem, was wir unter einem Barbecue verstanden haben. Da ich diese Info schon gestern hatte, konnten wir den Dresscode Richtung entspannt legere zurücknehmen. Barbecue bei Jill war dann aber zugekauftes pulled pork 9 in Verbindung mit selbst gemachtem Kartoffelgratin und Salat. Und im Vorfeld gab es zu Fingerfood geschnittenes Gemüse mit einem Jogurt Dip. Das Essen war schon geil, aber ich verstehe unter einem Barbecue etwas anderes.

Aber wenigstens habe ich mir dem Mitbringsel zu 100% richtig gelegen. Wir waren im Vorfeld bei der Einweisung informiert worden, das ein solches Dinner bei den Stadträten stattfinden wird, und das ein Mitbringsel dazu gerne gesehen wird. Darüber habe ich lange nachgedacht, was nehme ich mit, was für die Region Ilm-Kreis oder die Stadt Ilmenau steht. Ich bin dann nach mehrmaligem drüber Nachdenken und nach Rücksprache mit Sebastian Poppner mit einem Senf aus der Senfmühle in Klein-Hettstedt aufgelaufen. Dieser wurde auch umgehend verkostet und ist gut angekommen. Außerdem hatte ich im Büro von Karina noch multitool Checkkarten bekommen, und davon hatte ich für jeden Gast eins mitgenommen. Das Jill und Steve ihren Sohn, den Schuldirektor der Schule, die wir noch besuchen dürfen, eingeladen hatten wussten ich ja, und der was auch eingeplant, das dieser aber Sohn und Frau mit hatte das hat mir die Planung zerhauen. Aber gut, ich habe noch welche im Hotel, gibt es die irgendwann später.

Was gibt es zu dem Abend noch zu sagen. Jill und Steve wohne in einer Neighborhood 10 in der Nähe des Golf Platzes. Diese Nachbarschaft ist nicht die ärmste, wenn man sich die Häuser und Gärten so anschaut. Das Ambiente selbst war geräumig, aber im Gespräch habe ich dann auch erfahren, dass die Gartengestaltung von der Nachbarschaft vorgegeben wird und du nicht frei dort eigene Ideen, z.B. einen Gerätschuppen errichten, umsetzen darfst.

Auch die Gespräche mit dem Lehrer waren sehr interessant, auch wenn man sich jetzt, 3 Monate nach der Reise, wenn man endlich dazu kommt den Reisebericht auszuformulieren nicht mehr an alle Einzelheiten von Gesprächen erinnern kann. Was mir Jill an diesem Abend aber auch bestätigt hat, diese Reisen in die Partnerstädte für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder den Stadtrat, die schweißen die Mitarbeiter zusammen. Manche Firmen geben viel Geld aus um das „Wir Gefühl“ zu bestärken, das „Wir Gefühl“ in so einer Reisegruppe wächst aber ganz von allein, denn man lernt sich durch die Reise untereinander viel besser kennen, auch wenn es doch einige Steuergelder kostet. So ist es auch beim Gegenbesuch, sie müssen alle einen Eigenanteil tragen.

Einen interessanten Aspekt hat mir Jill noch mit auf den Weg gegeben, den ich beim schreiben des Artikels noch mal in Ruhe überdenken würde 11: Wo liegen die Wurzeln des Städtepartnerprogramms:

  1. Laut Wikipedia 12 hat „das moderne Konzept der Städtepartnerschaften [] seine Wurzeln im Zweiten Weltkrieg. Genauer gesagt wurde es durch die Bombardierung von Coventry am 14. November 1940 inspiriert, die als “Coventry Blitz” bekannt wurde Die Idee wurde zunächst vom damaligen Bürgermeister von Coventry, Alfred Robert Grindlay, entwickelt und gipfelte in seinem berühmten Telegramm an die Bevölkerung von Stalingrad (heute Wolgograd) im Jahr 1942, um Solidaritätsbeziehungen zwischen Städten in verbündeten Ländern zu schaffen, die ähnliche verheerende Ereignisse erlebt hatten.“
  2. Wenn man aber in Besonderen nach dem US Amerikanischem Städtepartnerschaftsprogram sucht, erfährt man: „Das US-Städtepartnerschaftsprogramm begann 1956, als Präsident Dwight D. Eisenhower eine Initiative zur Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Bürgerdiplomatie vorschlug. Ursprünglich ein Programm der National League of Cities, wurde Sister Cities International 1967 aufgrund des Wachstums und der Beliebtheit des US-Programms zu einer eigenständigen, gemeinnützigen Gesellschaft.“ 13

Während Phillip und ich fließend Gespräche mit unseren Gastgebern führen konnten, hatte Horst leider ein weinig das Nachsehen. Wir haben ihm noch während der Fahrt zu unseren Gastgebern mehrfach darauf hingewiesen, dass er uns bitte daran erinnern möge, dass wir für ihn übersetzen müssen. Davon hat er leider nicht viel gebrauch gemacht und somit war er oft etwas abgehängt, da wir beide umgeschaltet und dann fließend in Englisch geredet haben. Was mir immer mal wieder auffällt, mein Konversationsenglisch ist einiges eingerostet und ich brauche eine gewisse Zeit mich wieder einzuhören und warm zu laufen, dann geht es aber fließen. Zurück zu Horst, er hat nur bruchstückhaft an den Gesprächen teilnehmen können war für ihn sicher etwas schade war.

Nach der Rückkehr ins Hotel hat Phillip Marc, den Bürgermeister noch fix angerufen, denn er hatte uns für den Abend eine weitere Brauerei mit Bar versprochen. Mit seinen Gästen war er auch schon hingefahren, uns hat er fix abgeholt, nur leider waren wir schon sehr dicht an der Sperrstunde dran. 21:45 Uhr und beim Betreten wurden wir auf den „Last Call“ hingewiesen, denn um 22:00 Uhr werden die Bürgersteige hochgeklappt. Hätte ich geahnt, wie Bier lastig die Woche weitergehen würde, hätte ich vermutlich auf den Ausflug verzichtet. Und auch das eine Bier war angesichts der zwei Dosenbiere die ich beim Baseball schon hatte vollkommen genug.

Interessant war noch die Info vom Bürgermeister, das als die Highway Patrol nach einer neuen Unterkunft gesucht und sich für ein Objekt schräg gegenüber der Bar interessiert hat, gab es laut Aussage des Bürgermeisters eine Aussprache. Sie haben zugesagt, dass sie nur für den Highway zuständig sind, und beim Abrücken vom Standort nicht nach der Bar schauen. Wenn ich so über die Woche mitbekommen habe, das man auch wenn man ein paar Bier getrunken hat nicht zu Fuß geht, weiß ich warum.

  1. County []
  2. z.B. benötigt der Verein eine Trainingshalle mit besserer Anbindung ans Stadium []
  3. Wenn man es gewusst hätte, dann hätte es Natchos in einem Baseballhelm gegeben, die Portion war einiges Größer []
  4. Wer Trinkt im Stadion schon alkfrei, also war die Bedienung so überrascht, das ich ein normales bekommen habe []
  5. https://www.skylinechili.com []
  6. Die städitschen Beschäftigten konnten wenn ich das richtig verstanden habe, ihrer Reisetage und die Reisekosten als Dienstreise abrechnen, während die sonstigen Mitglieder der Delegation Urlaub nehmen und ca. 1 100,- € selbst tragen mussten []
  7. Noch habe ich es geschafft. []
  8. ehemaliger Bürgermeister der Stadt Langewiesen []
  9. welches gerne etwas wärmer hätte sein dürfen []
  10. meist ein oder zwei Straßen werden noch mal zu einem Viertel, einer Nachbarschaft zusammengefasst, die dann teilweise auch noch mal eigene Sozialen Einrichtungen hat. Die in der Jill und Steve wohnen hat ein eigenes Schwimmbad. []
  11. und auch habe []
  12. https://en.wikipedia.org/wiki/Sister_city []
  13. https://en.wikipedia.org/wiki/Sister_Cities_International []

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