Nachdem wir gestern den ungeplanten Badetag einlegen mussten, stand dann für heute die Draisinen Tour auf dem Plan. Damit wir mit der geplanten Strecke 1 und dem Bus 2 hin kommen, haben wir den Wecker auf 07:00 Uhr 3 gestellt und haben es auch geschafft um 09:00 Uhr pünktlich auf die Minute am Bahnhof, d.h. an der Verleihstation zu sein. Leider sind wir dann doch erst die dritte Gruppe 4 gewesen die an dem Tag starten konnte. Somit hatten wir schon am Start die ersten 20 min Verspätung 5, aber dabei sollte es nicht bleiben.
Die größere schwedische Gruppe 6 haben wir gleich auf dem ersten km noch ein- und überholt. Sie waren so nett, haben ihre Draisinen aus dem Gleis gehoben und wir sowie die Familie aus BW konnten vorbeifahren. Damit waren wir dann für unser vorhaben ganz vorn auf dem Gleis und musste weder mit weiteren Vorbeifahrten noch mit Gegenverkehr rechnen.
Aber nach ca. 11 km an einem Bahnübergang 7 kam der herbe Rückschlag. Wir sind wir vorgeschrieben abgestiegen und haben die Draisinen über den Bahnübergang geschoben. Anschließend die Draisinen wieder eingegleist und los geht es mit in das Pedalen treten. Da wir schon auf den ersten km feststellen mussten, das unsere beiden Long Covid Patienten keine Kraft für einen solche Tour haben, blieb das Trampeln vornehmlich an Nils und TobbY hängen. Und Nils wollte so kräftig in die Pedale treten, dass er die Tretkurbel aus dem Tretlager gebrochen hat. Ein kurzer Blick von TobbY und geli musste das Telefon zücken. Dieser Schaden ließ sich nicht einfach beseitigen, der Vierkant am Tretlager war abgebrochen. 8 Also beim Verleiher angerufen, mitgeteilt wo wir stehen, was passiert ist und erfahren das sich ein freundlicher Retter in der Not auf den Weg macht und uns eine neue Draisine vorbeibringt. 10 km also sollte das in 20 min Geschichte sein und wir wieder auf der Strecke. Leider ging auch hier die Zeitplanung nach hinten los, da wir nicht richtig gefunden wurden und geli dann noch zur Reichstraße und Bushaltestelle vorlaufen musste. Danach ging alles ganz schnell, Draisine vom Anhänger abladen, aufgleisen und losfahren Mithelfen wieder aufzuladen brauchten wir nicht, denn wir hatten jetzt schon gut 45 Minuten verloren 9 . So langsam machten wir uns Sorgen um den Bus und haben schon mal angekündigt, dass wir uns, sollten wir den Bus verpassen noch mal melden wollen.
Das junge deutsche Pärchen haben wir dann an der nächsten Straßenkreuzung wieder eingeholt da sie dort auch die Draisine auf einen Abstellplatz gestellt haben. Ihr Ziel war nicht mit dem Bus sondern mit einem Paddelbot zurück zu fahren. Auf dem Weg zu der Straßenkreuzung hatten wir gesehen, das der freundliche Helfer parallel zur Streck auch noch ein Stück weiter und nicht sofort zurück gefahren ist. So haben wir auch ihn dort noch mal getroffen und mussten auch noch mal seine Hilfe in Anspruch nehmen. Die ausgetauschte Draisine hatte zwar eine funktionierende Tretkurbel aber das Lager in der Pedale war fest und Nils konnte nur bedingt darauf treten. So wäre es noch anstrengender geworden die Strecke zu schaffen, aber dank der zweiten Hilfe bekamen wir unsere alte Pedale wieder und konnten jetzt ohne weitere Technische Defekte die Fahrt fortsetzen.
Wer jetzt meint das wären schon genug Erlebnisse für eine Draisinen Fahrt, der hat die Rechnung ohne die Stolpervögle der Familie Nowack gemacht. Geli hat von gut 20 Jahren diese Strecke mit ein paar Freunden schon mal befahren und damals mussten sie kurz vor dem Dalsland Kanal ihre Fahrt abbrechen, da eine Draisine entgleist und eine Mitfahrerin sich 4 Mittelfußknochen gebrochen hatte. Bis zum Dahlslandkanal waren wir noch nicht gekommen, noch waren wir bei einem ganz normalen Bahnübergang und wir mussten absteigen. Geli auf der Holzbank bei Nils mit dem Rucksack in der Hand. In den vielen Bebänderungen eines Rucksackes kann man sich beim Absteigen schon mal verfangen und dann den Weg bis zum Bahnübergang ausmessen.10
Die schwedische Reisegruppe haben wir dann am Badeplatz Kråkviken wieder eingeholt. Dort hatten sie die Draisinen ausgehoben und saßen am Badeplatz, sodass wir nur kurz gewunken haben und schnell weiterfahren konnten.
Die Baden Württemberger haben wir dann erst kurz vor Blomskog ein- bzw. übergeholt, sie waren aber schon seit kurzem auf dem Rückweg. Die Strecke bis Blomskog sind von Bengtfors gut 30 km und da sie keine Abstellung an der Strecke gebucht hatten, mussten sie jetzt die Strecke noch komplett zurück. Uns taten an der Stelle aber schon die Hintern gut weh und wir waren froh nicht noch 30 km zurück sondern „nur“ noch 20 km in Fahrtrichtung zurücklegen zu müssen.
Dazu kommt aber auch, das uns das Streckenprofil ab Blomskog bis Björnåsen noch mal ordentlich forderte, denn mit einem Hügel in der Mitte mussten 6 Höhenmeter überbrückt werden. Inzwischen hatten wir alle schon schwere Beine, und gerade die Draisine von Nils und geli die vorne Weg gefahren ist, machte kaum noch Strecke. Da ist TobbY auf die depperte Idee gekommen, er könne bergan vorsichtig an die Draisine von hinten heranfahren und den Nils unterstützen und Anschieben. Diese Variante hat er nur ein paar 100 m durchgehalten, denn danach waren die Beine bei ihm erst recht rum, aber noch gut 12 km 11 lagen vor uns.
Eine für TobbY verwunderlich Stelle sollten wir dann auch noch kennenlernen. Bei der „Blomskogs kyrka“ geht die Draisinen Strecke genau mittig durch den Friedhof. Vermutlich hat der Friedhof ausgehend von der Kirche an die Bahnstreck heran ausgedehnt und hinter der Bahnstrecke war noch Land zu bekommen, also hat man dort einen zweiten Friedhof angelegt.
Die letzten Kräfte mobilisiert haben wir uns durch die abschließenden km gekämpft, um dann am Streckenende festzustellen, das wir noch 20 min vor der Zeit angekommen sind und so ganz wie geplant den Bus zurücknehmen können. Also noch die Draisinen aus dem Gleis heben, abschließen und die Schlüssel in den Briefkasten werfen. Seit Heute wird für den Rest der Saison die Verkaufsstelle in Årjäng nicht mehr betrieben. Noch vielleicht 5 min laufen und dann sind wir an der Bushaltestell Årjäng Kyrker und warten auf den Bus. Wir sind sogar noch so früher da, das wir den Bus in die Gegenrichtung kommen sehen. Da wir die Kommunengrenze von Västra Götalands län 12 nach Värmlands län 13 überquert haben, war uns fast klar, das es der gleich Bus ist. Und wieder haben wir genossen, das die Digitalisierung in Schweden deutlich weiter ist als in Deutschland, denn während wir auf den Bus gewartet haben, hat geli fix die App von Västtrafik installiert und online die Buskarten besorgt. Zurück bis zur Bushaltestelle Bengtsfors kommunkontoret 14 und dann zum Bahnhof. Dort noch mal kurz bescheid gegeben das nach anfänglichen Schwierigkeiten alles geklappt hat und wir auch noch unseren Plan mit dem Bus erfolgreich durchziehen konnten.
Auch wenn heute Sonntag ist, was wir Urlauber aber so gar nicht auf dem Schirm haben, mussten wir noch ein paar Dinge fürs Abendbrot einkaufen. Bier ist in Schweden nicht besonders günstig, also nimmt TobbY immer ein paar Flaschen „billigen“ blendet Whiskey für Whiskey Cola mit. Wie der Name schon sagt, braucht es dazu aber Cola und die war am Wohnwagen gerade aus und im Coop im Angebot. Leider Ausverkauft, so auch die Billige Cola im IKA.
Da wir alle schon ganz schön fertig waren, bis auf die Ausnahme Nick, der kaum getrampelt ist, war er dran mit Abendbrot machen, denn wir anderen wollten am Wohnwagen nur noch unsere Beine lang machen und die Oberschenkel und Hintern regenerieren. Aber für Spülen und Kochen war dann der Nick auch nicht wirklich zu motivieren und das, obwohl geli schon ganz schön Terror gemacht hat.
Das dicke Ende kam dann aber mitten in der Nacht. Während sich alle erholten muss geli so über ihre Leistungsfähigkeit hinaus gegangen sein, dass sie, kaum war TobbY eingeschlafen, gegen Mitternacht aufgewacht ist und sich mit einem Wadenkrampf rumgeschlagen hat. Dieser soll so schlimm gewesen sein, dass nur eine Ibuprofen geholfen hat.
- 6 h [↩]
- am Sonntag fährt nur einer [↩]
- für den Urlaub Unchristlich [↩]
- die zweite haben wir aber noch im Bahnhof überholt. Die Familie aus Baden Württemberg waren vor uns am Schalter aber nach uns auf der Strecke. Sie wollten schauen wie weit sie fahren und dann wieder umdrehen. Am Ende haben sie erst nach gut 30 km umgedreht und sind noch 10 km mehr gefahren als wir, aber dazu vielleicht später mehr. [↩]
- für die Deutsche Bahn wäre das noch vertretbar [↩]
- 3 Draisinen, insgesamt 7 Personen [↩]
- 59°08’21.5″N 12°14’11.1″E, in der Nähe der Bushaltestelle Skifors [↩]
- Wer jetzt meint, wo Rohe Kräfte Sinnlos wallten … dem sei gesagt, das man der Bruchstell entnehmen konnte, das der Vierkant bereits angebrochen war. Außerdem klärte uns der freundliche Helfer der Verleihstation als er die Draisine tauschte auf, das genau das Ihr großes Problem ist, wenn die Mieter die Draisinen nicht wie erklärt aus den Schienen heben sondern rauskippen. [↩]
- Auch verloren haben wir unseren Platz auf der Strecke und mussten die Baden Württemberger und die Schweden sowie noch ein weiteres deutsches Pärchen vorbei fahren lassen [↩]
- 59°08’18.8″N 12°11’17.9″E ; https://goo.gl/maps/StKjZ5vB7YV1yDvB7 [↩]
- Am Ende waren es zu dem Zeitpunkt sogar nur noch 10 von denen auch noch gut 3 – 4 bergab gingen aber das wussten wir ja nicht. [↩]
- https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=V%C3%A4stra_G%C3%B6talands_l%C3%A4n&oldid=198795787 [↩]
- https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=V%C3%A4rmlands_l%C3%A4n&oldid=198788131 [↩]
- bis auf geli haben alle leider die Busfahrt verschlafen [↩]























