Und um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, ich verstehe die Deutschen und ihr Verhalten an etlichen Stellen nicht und frage mich, warum ich diese Erfahrung nach jedem Urlaub aufs Neue machen muss. Um was ging es denn diesmal. Natürlich um Corona und den Besuch eines Museums in Deutschland.

Da der heutige Zwischenstopp nur drei Aufgaben hatte, gibt es nicht viel drumherum zu berichten.

  1. Die Strecke mit dem Wohnwagen aus Dänemark nach Ilmenau in vertretbare Teilstücke unterteilen.
  2. Dem Ilmenauer Verkehrschaos rund um die Deutschlandtour entfliehen, denn wir wären gar nicht in unsere Sackgasse Amselweg gekommen, da das Fahrradrennen über die Ilmenauer Alle in die Unterpörlitzer Landstraße führte.
  3. Der Besuch des Wikinger Museum Haithabu und des Wikinger Dorfes.

Wie aktuell vielfach üblich mussten wir auch für dieses Museum eine Besuchszeit vorher buchen und hatten uns für 12:00 Uhr entschieden. Trotz dieser Vorgebuchten Zeiten war der Andrang an den zwei geöffneten Kassen so groß, das TobbY und die NiNis lieber im Freien auf geli mit den Tickest warten wollten.

Die Bedienstete am Eingang war dann aber primär damit beschäftigt, auch den Nick drauf hinzuweisen, dass man in einem deutschen Museum einen „medizinischen“ Guschen Deckel braucht 1 . Und leider braucht man den, denn die Museen sind trotz der Voranmeldungen nicht in der Lage die Besucherzahl sinnvoll zu beschränken, sodass man die 1,5 m Abstand an den Ausstellungsstücken auch einhalten kann. Und wenn man im Museum auf die Damen von der Museumsaufsicht trifft, dann ist wichtig das die Rucksäcke auf dem Bauch getragen werden, aber der Abstand ist kein Thema.

Man hat in der Ausstellung am Eingang und vom Schopp zum Eingang einen Einbahnstraßensystem, aber im Museum rennen dann alle Besucher wieder kreuz und quer. Anstatt den Film über Haithabu einfach in einer Endlosschleife laufen zu lassen, muss man den zu jeder Stunde im Kino für einen extra Eintritt von 1 € zeigen und damit geschickt den nächsten Menschenauflauf produzieren. Enge Bereiche der Ausstellung wurden einfach abgesperrt, eine Einschränkung der Besucheranzahl nur für diesen Bereich zu machen wurde nicht in Erwägung gezogen. Dies verwundert um so mehr, als wir keine 60 km über die dänische Grenze in Sønderborg noch ein Museum für uns allein hatten. Und selbst im vergangen Jahr in Ahrhus im Den Gamel BY 2 war das problemlos machbar. An den einzelnen zu besichtigenden Innenräumen gab es Hinweise auf die maximale Besucheranzahl, wenn die Räumlichkeiten nicht mehr hergaben.

Selbst in „BORK VIKINGEHAVN“ bei Nørre Nebel 3 hat es mit den beschränkten Personenzahlen und dem Abstand super geklappt, obwohl gefühlt mehr Deutsche als Dänen zu der Zeit im Museumsdorf unterwegs waren.

Mit dem gerade beschriebenen Unverständnis, der Wut im Bauch und dem Guschen Deckel vor dem Gesicht konnte TobbY sich in dem Museum kaum wirklich konzentrieren und hat deswegen aus dem für normale Zeiten gestalteten Museum nicht mal die Hälfte mitgenommen, die er sonst hätte mitnehmen können. Gelis Empfindungen beschrieb Sie TobbY im Gespräch nach dem Besucht ähnlich. Kein Abstand, Gedränge, volles Unverständnis. Der Ausflug nach Dresden im vergangenen Herbst, der uns ja in einige Museen der Elbmetropole geführt hat, hat uns in der Richtung besser gefallen und uns gezeigt, das man es besser organisieren kann wenn man will. Aber das Museum heute vermittelte diesen Eindruck überhaupt nicht.

Aber eine Inhaltliche Geschichte muss ich dann doch noch erzählen. Auf dem Wikingermarkt in BORK VIKINGEHAVN hat TobbY sehr interessiert einer Glasperlenmacherin und ihrem Lehrling zugeschaut. Im Museum wurde dieser Prozess auch beschrieben, aber in Haithabu wurden Perlen mit Loch für Ketten hergestellt. Wenn man die Beschreibung mit dem erlebenten vom Wikingermarkt im Kopf verglichen hat, konnte man sich viele Dinge wesentlich besser vorstellen. Einzig ein Aspekt war besonders interessant. Die Glasperlenmacherin hatte uns erzählt, dass die Glasmosaik Steinchen mit denen Sie und ihre Vorgänger den Prozess der Perlenherstellung starten aus dem Italienischen gehandelt wurden. Hier im Museum wurde erzählt, dass die Glasperlenmacher in Haithabu das Handwerk der Glasherstellung auch selbst beherrscht haben. Dies belegten Funde von Fritte, dem Halbzeug. Quarzsand wurde geschmolzen. Die Fritte beinhaltet aber noch einen Glasschaum, der abgeschöpft werden muss und das Glas dann in einem zweiten Schritt klar geschmolzen wir.

Nach dem Museum ging es dann, inzwischen wieder bei Sonnenschein weiter, gut 1,2 km Spaziergang zum eigentlich Wikinger Dorf. Hier war das Gedränge dann nicht mehr ganz so schlimm, aber wenn man in die wenigen 4 offenen Häuser schauen wollte musste auch hier der Guschen Deckel Verwendung finden. In den meisten Häusern waren wir zu viert eigentlich auch schon immer einer zu viel, sodass hier auch ein Schild einzeln oder im Familienverband eintreten vollkommen ausgereicht hätte. Aber so wurde man wieder überholt es wurde gedrängelt, wenn auch nicht so schlimm und Abstand war das alte Fremdwort.

Danach ging es zurück zum Wohnwagen. Dort konnten wir dann die Zielrunden durch Ilmenau im ARD Live Stream verfolgen. Nun stand die Frage des Abendbrotes und wir hatten übersehen, das heute ja Freitag ist und man vielleicht hätte reservieren sollen. Bei einem Asiatischen Buffet sind wir dann aber noch untergekommen, aber nur wenn wir in 1h mit dem Essen fertig sind. Das ließ sich bewerkstelligen.

Wieder am Campingplatz hörte man schon leicht im Hintergrund die Musik des Nord Festivals und dann gegen 21:30 Uhr ertönten von der Schlei einige Schiffshörner und wir sind noch mal ans Wasser. Etliche Segelschiffe fuhren mit voller Beleuchtung, meist noch mit Lichterketten am Mast im Kreis über die Schlei. Es sah toll aus, ließ sich aber nur schlecht mit dem Fotoapparat einfangen.

  1. Das haben sie heute extra noch mal von ihrem Dienstherren geschickt bekommen und das hat ja auch Ministerpräsident Günter in allen Medien noch mal groß propagiert. []
  2. https://holiday.indiancoder.de/?p=2830 []
  3. https://holiday.indiancoder.de/?p=3277 []
  4. ich glaube 3 []

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