Heute begann der Tag leider überhaupt nicht motivierend. Es war bewölkt und leichter Nieselregen war auf dem Wohnwagendach und dem Vorzelt zu hören. Geli war wie immer die erste, stand aber nicht auf sondern kam nach dem Besuch der Servicestelle wieder zurück ins Bett. Gegen 09:00 Uhr musste dann TobbY raus, hat sich aber gleich angezogen und die Kaffeemaschine angeworfen.
Als TobbY dann vom Topf wieder da war, ist noch geli aus dem Bett gekommen, beim Rest gestaltete sich das Aufstehen dann aber sehr zähflüssig, was bei dem Wetter am Vormittag auch mehr als verständlich ist. TobbY war das erstmal recht, denn es kamen einige QSO’s auf 40m ins Log. Gegen 12:00 Uhr war der Hunger bei geli dann so groß, dass sie massiv nach der A-Mahlzeit gedrängelt hat. Bis die Jungs dann aber in die Gänge gekommen sind, vor allem da der Nils sich gestern mal wieder vor dem Abwaschen nach dem Abendbrot mit der Ausrede, es ist für mich einfacher bei Tageslicht abzuwaschen gedrückt hat, verging noch einige Zeit. Nick hat sich dann des Geschirrs erbarmt und da er gerne Rührei im Wohnwagen macht, seinem Bruder untersagt sich daran zu beteiligen. Und Nils hat dieser Ansage liebend gerne folge geleistet, da das Pubertier im Moment alles daran setzt dem Spruch „Arbeit geh weg sonst krieg ich dich.“
Bis die Jungs mit dem Frühstück so weit waren musste TobbY noch mal zur Service Station und auf dem Rückweg ist ihm wieder eingefallen, das er ja gestern zu dem Wagenmuseum recherchiert hatte. Diese Recherche lieferte die Erkenntnis, dass das Museum in der Nebensaison nur von 12:00 – 16:00 Uhr geöffnet hat. Inzwischen ist es bereits nach 12:00 Uhr also sollten wir uns beeilen.
Dieser gesamte Morgen in seinem Ablauf, gepaart mit einigen Sprüchen, die dabei noch hin und her gingen hatten wir geli dann dort, wo man die Reiseleitung nicht braucht, auf der Palme. Somit musste TobbY sich hinter das Steuer klemmen und heute den Taxifahrer geben. Nach gut 23 QSOs vor dem Frühstück 1 war er schon etwas besser gelaunt, auch wenn er gerade noch mal gut 260 € für 3000 QSL Karten ausgegeben hat. Leider scheint der Dienstleister in Israel, der bisher seine Karten gedruckt hat nicht mehr erreichbar zu sein. Da aber dort nur noch eine überschaubare Anzahl QSL Kartendrucke verbleiben und der Wechsel zum eigenen Verein schon länger in Planung war, hatte ihm das nicht wesentlich auf die Laune geschlagen.
Am Wagenmuseum in Harderslev angekommen sind wir dann erst mal ins Museum gegangen. Die Covid 19 Teststelle hat bis 18:00 Uhr auf und damit hat das noch etwas Zeit.
An der Kasse zum Museum saß der gleiche nette Mann wie gestern als er uns die Draisinen herausgegeben und uns auf das Kutschenmuseum Neugierig gemacht hat. Er hat uns auch gleich wiedererkannt und als wir dann unseren Eintritt bezahlen wollten, meinte er wir sind heute frei. Er spricht recht gut Deutsch und konnte und wollte uns einiges über die Kutschen, das Museum erzählen. Was TobbY bei den Gesprächen dann aus ihm herausquetschen konnte: Er arbeitet eigentlich in der Werkstatt nicht an der Kasse, ist einer von drei fest angestellten des Museums, die anderen haben nur gerade Urlaub und so muss er an die Kasse und seine Fähigkeiten mit dem Computer sind wie zwei linke Hände alles Daumen. „Was man nicht mit dem Hammer reparieren kann, bekommt er nicht unter Kontrolle.“ Dafür konnte er viel zu den Arbeiten in der Werkstatt erzählen und kannte sich auch mit den Kutschen gut aus.
Sein Motto, das er uns immer wieder deutlich gemacht hat während wir durch die Ausstellung gelaufen sind, „Ihr dürft, nein ihr sollt alles anfassen, nur so kann man es begreifen und wenn dabei was kaputt geht, dann reparieren wir es wieder.“ Auch wenn er das mehrfach betont hat, es ist doch für einen „deutsch“ sozialisierten TobbY, der als Kind immer wieder in Museen lernen musste, die Hände gehören in die Tasche schwer dann einfach überall mal dran rumzuspielen 2 . Da der Mitarbeiter vom Museum immer wieder auch in der Ausstellung unterwegs war hat er uns dann auch das ein oder andere an den Kutschen gezeigt: „Komm mal mit, das muss ich dir zeigen, das ist meine Lieblingskutsche … wie sagt man im Deutschen … das ist geil.“ Und damit hat er mich zu einer Kusche aus Wien gezogen, die einen Mechanismus hatte, der „automatisch“ einen Fußtritt ausklappte, wenn man die Tür öffnete und auch wieder einklappte, wenn man die Tür schloss. Außerdem musste er mir an der einen Kutsche zeigen, dass die Fußtritte hinter einer kleinen Klappe an der Seite verborgen sind und nur herausgezogen werden müssen.
„Und hab ihr die Bäckerkutsche gesehen? Die wollten wir restaurieren, aber als wir die Türen auf gemacht haben, haben wir auf der Innenseite die Rechnungen vom Bäcker mit Bleistift auf die Türgeschrieben gefunden. So was können wir doch nicht Restaurieren.“ Und schade, hier die Kutsche ist eigentlich für die Kinder zum Spielen aber leider bekommen wir neue Nachbarn (Obermieter) und die brauchen mehr Abwasseranschlüsse, also sind die Handwerker gerade da und wir mussten was wegräumen.
Zu dem Bauernwagen gibt es auch noch eine wichtige Information. Er hatte drei wichtige Aufgaben auf Fyn. Zum einen war er für ein Bauernwagen um Waren und Erzeugnisse zu transportieren. Dann, so wie er auch ausgestellt ist, diente er als Schulbus für die Bauernkinder und außerdem war er auch noch Leichenwagen.
Ihr merkt wie begeistert ich berichte, er hatte aber auch eine Art, die mich sehr mitgenommen hat. Wenn man an die Decke der Hallen schaut, konnte man noch zwei Transmissionen erkennen. „Die sind noch von der Stofffabrik, die hier bis 1995 produziert hat. Die Fundamente der Webstühle seht ihr noch und die Fabrik hat aufgehört, weil es sich nicht mehr gerechnet hat. Einen kleineren Webstuhl hatten sie auch noch stehen. Dort gab es zu erfahren, das einmal ein älterer Herr aus Norwegen zu besuch kam und feststellte, das die Knoten zum verbinden der Fäden nicht korrekt waren. Er hatte früher hier gearbeitet und hat dann in 2 x 6h Arbeit alle Knoten wieder getrennt und die richtigen Knoten gemacht.
TobbY hätte sich noch ewig mit ihm unterhalten können, aber die Familie wollte dann weiter. Was ich euch aber nicht vorenthalten will, die Crew besteht aus drei Hauptamtlichen Mitarbeitern der Gemeinde und max. 12 Ehrenamtliche. Mehr dürfen nicht. Der jüngste Ehrenamtliche, der Lehrling heute war 70, der älteste 86. Das Museum hat noch gut ausgebildete Wagenbauer, sodass sie vom Museum aus den TÜV für die Kutschen, auch für die Königlichen machen dürfen. Eigentlich werden die Königlichen Kutschen auch nicht für Ausstellungen verliehen, aber zu dem Jubiläum der Deutsch-Dänischen Grenze ist die Königin mit ihrem Wagen an der Grenze aufgefahren und deshalb konnten sie die Kutschen nach zähen Verhandlungen doch mal leihen und hier ausstellen. Dafür mussten einige andere weichen und die Königlichen Kutschen durfte man auch nicht anfassen.
All diese Informationen konnten wir aber nur von dem Mitarbeiter erfahren denn unser Dänisch ist leider auch nach dem zweiten Urlaub immer noch nicht wirklich vorhanden. Und leider gibt es in diesem Museum die Beschriftungen und Informationsmaterialien nur auf Dänisch und nicht zweisprachig.
Und ganz zum Schluss musste ich dann die Jungs doch noch mal in die Ausstellung schleppen. Wenn man alles anfassen darf, dann müssen sie doch mal den Handschleifstein und die Handbetriebene Ständerbohrmaschine ausprobieren.
Aber neben dem Museumsbesucht gab es ja auch noch eine zweite dringende Thematik die wir heute erledigen mussten. Den Covid 19 Schnelltest für Nick. Währen Nils, geli und TobbY vollständig geimpft sind hat Nick in den nächsten Tagen des Urlaubes das große Nachsehen. In Deutschland gilt jetzt für fast alle Aktivitäten die 2 / 3 G Regel. Geimpft – Genesen ( – Getestet). Der erste Punkt, wo die Regel gilt ist der Campingplatz der unser Ziel morgen ist. Und da die Schnelltests nur 24 h gültig sind, muss für den Museumsbesuch und für einen Restaurantbesuch zum Abendessen morgen und auch übermorgen schon wieder ein neuer her.
An der Teststation im alten Rathaus war die Schlage so lang, dass Nick und geli zwischen 30 min und 1 h gewartet haben. Dann wurden von Nicks Kinderausweis die Daten übertragen und geli bekam eine SMS mit den Zugangsdaten zum Ergebnis. Noch das Stäbchen in die Nase und dann konnten wir noch mal in die Stadt gehen. Nachdem vor einigen Wochen unser Kumpel Map2k beim Linux Stammtisch berichtet hat, wie leicht sich die Testergebnisse des Testzentrums an der BUGA in Erfurt abfischen ließen, waren wir gespannt, wie es hier mit der Datensicherheit aussieht. Und um die ist es deutlich besser bestellt. Wir brauchten neben dem Link noch das Geburtsdatum des getesteten und die Uhrzeit des Testes. Nur hätte man bei der Übersetzung auch die Abkürzungen übersetzen oder zumindest erklären sollen.
Aber alles gut, unser Nick ist „mal wieder“ negativ getestet und darf somit morgen mit uns auf den nächsten und für diesen Urlaub letzten Campingplatz. Nick wartet bei dem Trara, das gerade gemacht wird, dringend, dass er endlich 12 wird und geimpft werden kann.
Dann ging es noch kurz durch die Stadt, geli wollte noch im Flying Tiger vorbeischauen, einen Kramladen, den wir das erste Mal in Lübeck kennen gelernt haben und seit dem in Dänemark immer mal besuchten.
Der Spaziergang in der Stadt endeten mit der Besichtigung des Doms, einer Lutherischen Kirche und anschließen ging es heim, Abendbrot und noch ein paar QSO’s machen, aber gefühlt nicht mehr so viele wie Vormittag.
- fast schon mehr als gestern den ganzen Tag [↩]
- Über diese Sozialisierung haben wir uns auch unterhalten und er berichtete, dass sie mal in einem Kutschenmuseum in Deutschland, ich meine von den Hohenzollern, waren und er wie in ihrem Museum üblich überall die Finger dran hatte und es muss auch bei den Fachleuten mächtig Mecker gegeben haben. [↩]



































