Gegen neun Uhr sind wir im angenehmen temperierten Wohnwagen aufgewacht. Aber der Schritt vor die Wohnwagentür ins Vorzelt war ein Schritt in die Sauna. Also bevor es zur Toilette geht, erst mal die Fenster aufreißen, dann den ersten Kaffee ansetzten und schnell das Funkgerät aufbauen, damit schon die ersten QSOs ins Log 1 kommen während ich mich erstmal um die menschlichen Bedürfnisse kümmere.

Ach ja, nachdem ich mir vorgestern beim Schwimmen und Duschen die Schorfoberfläche wieder zerstört habe, und für gestern, während wir auf der Insel waren, die lange Socken anziehen wollte, habe ich dann heute Morgen den Verband abgenommen. Und es sah aus, wie ich befürchtet habe, die zwei großen Flächen sind immer noch nicht verheilt sondern sie suppen wieder leicht. Naja, heute ist wieder kurze Hose dran. Dann hoffe ich trocknen sie ab. Und schauen wir mal weiter.

Dieses Wochenende läuft auf dem Holy Ground das Wackenfestival. Und seit 2020 überträgt die Telekom die Konzerte online, und so haben Nils und ich schon mehrfach die ein oder andere Band gehört. Für heute um 12:00 Uhr sind Mr. Hurley & Die Pulveraffen, „deine Lieblingspiratenband aus dem karibischen Osnabrück!“ 2 angekündigt. Also davor bleibt genug Zeit um in Ruhe zum Frühstücken, aber nicht um schon irgendwie sich auf den Weg zu machen. Für heute war noch mal Odense geplant, aber nicht wieder Zielgericht ein Museum, sondern ein allgemeiner Stadtbummel. Dafür reicht es auch wenn wir um 01:00 Uhr hier am Campingplatz starten.

Zum Frühstück hat der Nick wie häufig schöne Eier gemacht. Die werden auf dem Campingplatz im Omnia gebacken. Aber heute Morgen war das Brett weg. Jetzt fragte ihr sicher welches Brett er denn sucht. Wir haben ein spezielles Brett, in das genau der Omnia reinpasst um ihn aus dem Wohnwagen auf den Tisch zu bringen und es isoliert, dass man den heißen Omnia auch auf der Wachstuchdecke abstellen kann. Und dieses Brett war im Vorzelt verkramt. „Kann mir jemand verraten, wo das Brett ist?“ Und dann hat er irgendwann gefrustet die schönen Eier mit einem normalen Brett auf den Tisch gestellt. Dies musste TobbY freche mit der Frage kommentieren: „Haben wir dafür nicht ein spezielles Brett?“ Daraufhin kriegte Snufdog die Freigabe, nennen wir es die Anweisung mich zu beißen. Der hat natürlich in den Bauch anstatt in das Schienenbein gebissen und daraufhin wurde für den Rest des Vormittags dem Hund ein stricktes Funkverbot verhängt. Als wir dann Nachmittags aus Odense zurück waren durfte er wieder mitfunken, muss dazu aber über dem Funkgerät hängen. Ich habe ernstlich erwogen, ob ich ihn an den Ohren aufhänge. Nils hatte sogar noch eine bessere Idee, aber die hat er mir erst hinterher verraten, er hätte ihn am Schwanz aufgehängt.

Heute war es geli die im Vorfeld ein wenig über Odense recherchiert hatte und wusste, dass es auch hier eine kostenlose Citybus-Linie gibt, die wir für eine Rundfahrt vom Bahnhof zum Bahnhof nutzen wollen. Damit stand fest, mit dem Auto geht es für Nils jetzt wieder die gleiche Strecke nach Odense rein, nur mit dem Unterschied, dass es heute unter der Woche nicht den kostenfreien Parkplatz gibt, sondern wir am Bahnhof ins Parkhaus müssen.

Unterwegs musste ich Nils noch ein wenig mit Kultur quälen. Die Pulveraffen hatten in ihrem Abschlussmedly einen Textauszug aus dem Lied “Wahnsinn” von Wolle 3 drin. Nur Nils war komplett aufgeschmissen 4 und wusste damit nichts anzufangen. Also habe ich mir vorgenommen, ihm Wolle ein wenig näher zu bringen. Seine Playlist hat das dann auch ordnungsgemäß integriert und auf die Frage, warum das sonst nicht kommt, kam von Nils die Antwort, Na weil sich meine Playlist ansonsten an den „Intertrepeten“ orientiert die ich vorwiegend höre 5.

Auf der Autobahn sind wir diesmal an einem Unfall vorbeigefahren und es war wieder so, wie wir es aus Dänemark kennen. Die beiden verunfallten Fahrzeuge standen auf bzw. neben dem Standstreifen, waren durch die Polizei mit Klebeband markiert und ansonsten war die Strecke beräumt. Dass hier jemand auf den Abschlepper wartet, habe ich noch nicht gesehen. Den Abschlepper von Falck haben wir dann im Stadtverkehr in Odense getroffen.

Beim Aussteigen ist mir schon aufgefallen, dass es deutlich frischer ist, als am Wohnwagen und ich Trottel meinen Pullover im Vorzelt vergessen habe. Also bin ich erst mal nur im T-Shirt vom Auto gestartet aber wie wir noch vor dem Bahnhof stehen, fällt Nils und mir auf, ohne Pullover oder Jacke wird das nichts. Daraufhin Nils geht nochmal zurück zum Auto für sich den Pullover und für mich eine Jacke holen. Erst habe ich ein bisschen geschimpft, weil nur meine Softshelljacke im Auto lag, aber im Laufe des Ausflugs, ihr werdet es noch hören, war ich dann ganz dankbar darüber. Während Nils nochmal zurück zum Auto ist, sind wir anderen schon mal aufgebrochen, denn inzwischen wussten wir, der Bus 10C auf der südlichen Seite des Bahnhofs abfährt. Nachdem Nils uns am Nördlichen Eingang nicht mehr gesichtet hat, hat er mehrfach versucht mich anzurufen, habe ich aber leider überhört, Gott sei Dank aber nicht seinem Bruder, sodass wir alle vier in dem nach unserer Ankunft nächsten Bus saßen. Danke.

Aus den Bussen dieser Linie kann man jederzeit aussteigen und von dieser Möglichkeit haben wir auf der anderen Seite der Innenstadt auch gebraucht zu machen. Wir wollten ja ein bisschen die Innenstadt besichtigen und das geht zu Fuß einfach am besten.

Im Bus bemerkten wir, dass mal wieder an der Kamera die Augenmuschel fehlte. Sie war auch nicht in der Fototasche, aber da wir die den Umstand schon im letzten Urlaub hatten, habe ich im Nachgang einige Ersatzteile gekauft, von denen wir auch welche mitgenommen haben. Ergo, im Bus fix eine neue Augenmuschel angebracht. Damit sollte das Thema eigentlich erledigt sein, sollte man meinen.

Bei dem jetzt folgenden Fußmarsch durch die Stadt haben wir gehofft, uns dem Nieselregen durch einen kurzen Besuch im Flying Tiger zu entziehen. Im Laden ist Nils ins Auge gefallen, dass die Augenmuschel noch vollständig war. Diese Wahrnehmung sollte später noch eine große Bedeutung bekommen denn keine 500 m bummeln später, meldete sich Nick bei uns: „Das Gummi von der Augenmuschel ist schon wieder weg. Der Plastikrahmen ist noch da.“ Nils hat sich aufgeregt, dass sein Bruder nicht aufpassen kann, ist dann umgehend losgesprintet und meinte, das muss ich doch wieder finden. Ca. 5 Minuten später tauchte er, halb Freude erstrahlend, halb angesäuert auf, hatte das Gummi in der Hand, ließ sich die Kamera geben und begann die Augenmuschel zu reparieren: „Wo haben wir die Kiste mit dem Kleber, morgen am faulen Tag muss ich das mal kleben.“

Inzwischen sind wir bei unserem Fußmarsch am Dom angekommen und haben ihn von innen besichtigt. Neben dem imposanten Altar gibt es eine Krypta in der die Gebeine verschiedener Dänischer Könige liegen. Zu dem Altarretabel ohne Kreuz schreibt die Schautafel:

Claus Bergs Altarretabel ist ganz ohne ein eigentliches Kreuz gestaltet, jedoch bildet der gekreuzigte Jesus zusammen mit den Weinreben ein Kreuz in der Mitte der Tafel. Das Kreuz wird dadurch zu einem Teil des Baumes des Lebens – und zugleich zu einem Symbol des Lebens. Die reich ornamentierte, bemale und vergoldete Tafel ist mit einer Vielzahl von Figuren versehen, und die Tafel selbst ist in 4 Reihen unterteilt.“

Nach der Besichtigung des Domes war aus dem Niesel ein etwas kräftiger Regen geworden, nicht schlimm, aber unangenehm. Da hier am Platz noch eine zweite, die katholische Kirche steht, sind wir erst mal dahin weitergezogen. Hier seien im Besonderen die bunten Fensterbilder erwähnt. Während wir uns gerade die Kirche anschauten, kam auch der Priester und hat aus einem Kanister den Weihwasserbehälter aufgefüllt.

Was habe ich noch vergessen? Richtig, kaum bin ich aus dem Dom heraus, merke ich, dass ich in meinem Schuh die Sohle verschoben habe. Ausnahmsweise habe ich heute entschieden die Barfußschuhe barfuß zu benutzen und mit der verschobenen Sohle, sodass die Zehen vorne über die Sohle hinausragen, ist laufen unangenehm. Also trotz Nieselregen hinsetzen und die Sohle richten. Wenn wir morgen etwas kleben müssen, kann ich den Sohlen auch gleich noch einen Haftpunkt mitgeben.

Aufgrund des Regens haben wir uns dann entschieden den Bus zu nehmen, die Runde vorzusetzen und anschließend den Heimweg anzutreten.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle sind wir noch an einem schönen Straßenzug vorbeigekommen und ich habe Nick gebeten diesen zu fotografieren. Er verschwand umgehend in der Gasse und es dauerte eine Weile. Dann kam er wieder und fragte mich, welchen Straßenzug ich den fotografiert haben möchte. Er habe am Ende der Gasse nur einen Spielplatz gefunden. Es dauerte eine Weile bis er begriff, warum ich anfing schallen zu lachen. Ich habe ihn dann gefragt, was er unter einem Straßenzug versteht. Und wenn ich ihn richtig verstanden habe, hat er tatsächlich nach einem Zug mit Rädern auf der Straße gesucht. Habe nicht erwartet, ihm den Begriff Straßenzug für eine Häuserfront wahrscheinlich noch beibringen zu müssen.

Auf dem Heimweg mussten wir auch noch einkaufen und hier gab es einen Bilka, das ist ein Hypermarkt, der eher für den Wocheneinkauf 3 für 2 oder 5 für 300 Kr. statt 1 für 70 Kr gedacht ist.

Heute war der Tag der Abschlepper. Bereits im Bus hatten Nils einen weiteren Bus auf dem Abschlepper gesehen, der uns dann auf dem Weg zum Supermarkt verfolgt hat.

Danach ging es dann auf die Autobahn zurück nach Svendborg und wie beim letzten Ausflug nach Odense wollten wir dieses mal die Heimfahrt nutzen, um Oma anzurufen. Wir haben also mit Nils Telefon, das an der Freisprecheinrichtung vom Auto steckte zweimal gewählt, Oma ging nicht ran. Wie wir später erfahren haben, saß sie im Arbeitszimmer und hat das Telefon im Wohnzimmer nicht klingeln gehört. Es muss also an Nils Telefon liegen, dass wenn er uns anruft, die Telefone immer so leise klingeln, dass es keiner mitbekommt.

Am Wohnwagen das übliche Abendprogramm. Abendessen, Funken, Tagebuch schreiben. Und Nils wollte noch ein Konzert gucken(Subway to Sally). Ich bin aber über das Tagebuch schreiben eingeschlafen.

  1. Ziel für heute, Tag 14, 1000 QSO’s voll zu bekommen[]
  2. https://www.pulveraffen.de[]
  3. Wolfgang Petry[]
  4. Bis zu dem Zeitpunkt war er sehr text-sicher.[]
  5. Heavy Metal[]

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