Donnerstag, 04.07.2024
Nach dem Ausschlafen und dem Brötchenholen von Nils ging es in die Falu Gruva. Tickets für die 14:30 Uhr Führung auf Englisch hatte geli zuvor online gebucht. Am Parkplatz angekommen wurden wir von den horrenden Parkgebühren nahezu aufgefressen. Ganze 20 SEK für das Tagesticket muss man in den Monaten Juni bis August berappen. Zahlbar per Swisch, in Münzen an einem Parkautomat oder da zu allem Überfluss auch der Automat noch rumspinnt per Card am Eintritt. Dazu werden die Parkgebühren abgehoben und man darf sein Kennzeichen 1 auf einer Liste handschriftlich ergänzen 2.
Auf dem Gelände haben wir uns dank zu dem Zeitpunkt trockenen Wetter erst mal die Überirdischen Anlagen angeschaut, für einen Museumsbesuch war dann dank uns Langschläfern nicht genügend Zeit. Besichtigt haben wir das große Loch, welches am Mittsommertag des Jahres 1687 durch den zeitgleichen Einsturz mehrerer kleinen Gruben entstanden ist. Glücklicherweise war auch im Jahr 1687 der Mittsommertag ein Feiertag, sodass keine Menschenleben beklagt werden mussten, was auch während der Führung besonders betont wurde.
Das Geländer an der Abbruchkannte wurde gerade von zwei Ferienarbeiterinnen mit der hier üblichen Falun Farbe frisch gestrichen, worauf auch alle 5 m ein sogar für TobbY verständliches Schild hingewiesen hat. Nick hat es natürlich nicht gelesen, aber mal wieder mehr Glück als alles andere gehabt und seine Jacke nicht eingesaut. Das Farbwerk befindet sich gleich im Anschluss an das Museumsgelände und untermalte den Rundgang mit seinem Produktionsgeräuschen. Auch später im Museum und auf dem Gelände weisen immer wieder Schilder auf die typische Rote Falun Farbe, ihren Ursprung und ihre Herstellung hin, auch wenn es sich bei der Mine primär um Kupfer Bergbau, aber auch Gold und Silber gehandelt hat.
Der Gold und Silber Anteil hat auch dafür gesorgt, dass die Mine noch bis 1992 betrieben wurde, denn allein aufgrund der Kupferausbeute hätte man das Bergwerk Mitte des 20ten Jahrhunderts schon geschlossen. Insgesamt schaut man hier in Falun auf gut ein Jahrtausend Kupferbergbau zurück, immer wieder mit unterschiedlichem wirtschaftlichem Ergebnis und unterschiedlichen sozialen Bedeutung. Technologisch wurde bis weit in das 19te Jahrhundert hinein immer der gleiche Abbaustiel genutzt. Über Nacht wurde am Abbauort ein großes Feuer angeschürt und der Stein aufgeheizt in der Hoffnung, dass sich Risse bilden, in die der Bergmann mit Eisen eintauchen konnte und Gestein und Erz ausbrechen kann. Mit dieser Methode des “Feuerbrennen” schaffte ein Bergmann einen Vortrieb von ca. 1m pro Monat.
Aber bleiben wir erst mal über Tage und nutzen die verbleibenden 45 Minuten um uns den ersten Förderturm (Creutz lave) und das erste Wasserrad (Creutz julhus) sowie das Waschhaus (Vaschet) anzuschauen. Eine typische Bergmannskarriere begann im Alter von 8 Jahren im Waschhaus in der Nachsortierung; das Tagessoll sind 3 Kisten für je 13 Ore. Im Alter von 10 wechselt der angehende Bergmann im Waschhaus an die Sortierscheibe mit einem Tagessoll von 12 Kisten zu je 3 Ore. Ab dem Alter von 12 Jahren durfte der Bergmann dann auch unter Tage eingesetzt werden. Dort war die erste Aufgabe dann der Transport von Gestein und Erz zu den Förderkörben. Zwei Kinder mussten mit einer Trage Steine bis zu 100 kg in gebückter Haltung transportieren.
Unter Tage war die Arbeit nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich und immer wieder sind Bergleute durch Felsstürz verletzt oder sogar getötet worden. Im Museum wurde auch darüber berichtet, dass die Bergwerksgesellschaft früh eigene Ärzte als Arbeitsmediziner eingestellt hat und so die Arbeiter eine bessere Medizinische Versorgung angedeiht bekamen, denn oft sind sie zwar noch lebend aus der Grube rausgekommen, dann aber in der eigenen Kotte ihren Verletzungen erlegen.
Kommen wir aber erst mal zu der Führung unter Tage. 14:15 Uhr, eine Führung auf Schwedisch beginnt an der Glocke. Geli hatte für 14:30 Uhr die englische Führung gebucht, wir waren aber schon am Treffpunkt. Daraufhin wurde ich angeschubst, das ich Fragen sollte, ob es eine zweisprachige ist oder ob es noch in 15min eine Zweite gibt. Mir ist immer noch nicht klar, warum ich fragen sollten, denn 1. konnte geli auch von der schwedischen Einleitung so viel verstehen, dass sie genau wusste wann Fragen zu stellen waren, 2. hatte sie die Führung gebucht und kannte die Details und zum 3. ist ihr Konversation Englisch nicht schlechter als meins. Ich habe gefragt, erfahren das in 15 Minuten dann die englische Führung startet und eigentlich hätte alles gut sein können, wenn ich nicht vor lauter Unverständnis etwas rum gezickt hätte.
Dann ging es durch das Einstiegsgebäude in die Waschkaue, in der wir alle einen orangenen Regenponcho und einen Helm bekommen haben. Der Helm war besonders für mich wichtig, die kurzen hatten ja nicht ständig Ärger mit der Deckenhöhe. Aus der Waschkaue ging es dann schräg im Stollen zu einem Mundloch, das vermutlich im Rahmen des Grubeneinsturzes freigelegt wurde, dann innerhalb des Loches eine Treppe runter auf eine Aussichtsplattform und dann weitere Treppen runter und wieder rein in den Berg. Dort die Wege waren gut ausgebaut nur eben nicht besonders hoch. Immer mal wieder führten Seitenstollen rechts und links ab, teilweise lagen dort auch noch alte Werkezuge, Leitern oder Stempel rum. An einer Treppe konnte man links erkennen, wie die Treppe zu Bergbauzeiten vermutlich ausgesehen, die Gästetreppe war aber auch dort gut ausgebaut. An der ein oder anderen stelle gab der Führer auch mal die eine oder andere Geschichte zum Besten und in der letzten Halle zeigte er, wie gefährlich der Berg sein kann. Es gibt die Geschichte über einen verunglückten Bergmann, der von einem Felssturz so mit den Beinen eingeklemmt wurde, dass er nicht wieder das Tageslicht erblicken konnte. Diesen Bergmann hat mach nach über 40 Jahren endlich wiedergefunden und geborgen und durch das Klima unter Tage war er sehr gut erhalten. Im Museum kann man dann sogar lesen, dass er durch das Mineralhaltige Grubenwasser nicht nur konserviert, sondern versteinert war und nach der Bergung einige Jahre als Jahrmarkt Attraktion herhalten musste. An der Stelle wurde uns auch der zweite Feind des Bergmanns deutlich gezeigt, die Dunkelheit. Nachdem alle Lampen erloschen waren, wollten sich meine Augen nicht so anpassen, dass ich hätte einen Ausgang finden können.
Auch zeigte uns der Führer eine Kaverne, in der jedes Jahr der Weihnachtsbaum aufgestellt wird, denn in der Grube gab es in der Weihnachtszeit immer gute Erz Funde. Und den Abschluss machte die Wand mit den Unterschriften der Könige. Diese sind in den Stein gemeißelt und mit Gold ausgefüllt. Mit dem Besuch auf der Sole und Ihrer Unterschrift haben die Könige ihre Verbundenheit zu dem Bergweg bezeugt, sie haben aber auch lange Jahre von den Rohstoffgewinnen gut gelebt.
Zurück ging es in die Waschkaue nicht über genauso viele Treppenstufen wie in die Grube hinunter, sondern mit einem ca. 50 m hohen Aufzuges für jeweils 9 Personen der dann in der Waschkaue wieder heraus kommt. Ich hatte den Aufzug nicht wahrgenommen, als wir uns mit Helm und Poncho eingekleidet hatten, jetzt konnten wir diesen Schutz wieder ablegen und zurück ans Tageslicht.
Jetzt haben wir noch knapp 1,5 Stunden, um uns das Museum anzuschauen. Und schon an der Information wird klar, das Museum ist ganz anders als ein Deutsches Museum. Es wurde schon darauf hingewiesen, dass im Museum verschiedene Ausstellungsstücke ausprobiert, werden dürfen und man sogar einzelne Wettkämpfe untereinander bestreiten kann, so zum Beispiel bei der Auswahl von Gestein und Erz in der Erzwäsche oder der Test beim Anheben eines Steins auf der Steintrage. Auch interessant war die Zeitleiste zur Geschichte des Bergwerkes in Falun oder die Infos zur notwendigen Pumpenleistung. Als wir vorhin im Pumpenhaus waren, hörten wir ständig eine Glock. Diese zeigt an, dass die Pumpwerke konstant Wasser fördern. Sollte diese Glocke aussetzen musste der diensthabende Pumpenwärter in den Schacht hinuntersteigen und schnellstmöglich den Fehler beheben. Selbst aktuell im Betriebsmodus eines Schaubergwerkes 3 müssen minütlich 650 l Grubenabwässer abgepumpt werden. Ich persönlich fand auch noch die Verwendung der Schlacke sehr interessant. Nachdem anfangs die Schlacke meist dort verbleib, wo man die Erze aufbereitet hatte und sich damit der Boden in Falun einige Meter gehoben hatte, sind in den späteren Jahren aus der Schlacke Steine gegossen worden, die dann als Baustoff eingesetzt wurden.
Nach der Grubenbesichtigung ging es noch einkaufen, denn Geli benötigt neue Schuhe, ihre haben leider auch auf der Straßenbaustelle so sehr gelitten 4 und wir sind in Falun in einer größeren Stadt, wo es neben Supermärkten auch andere Läden gibt. Außerdem brauchten wir noch ein paar Zutaten für das Abendessen. Geli hatte sich mit den Jungs geeinigt, dass sie das restliche Grillfleisch würfeln und mit vorgefertigter Masse für Kartoffelgratin zu vermischen. Dazu soll es Salat geben. Den ersten Versuch des Einkaufens haben wir noch gegenüber des Deichmann probiert, doch in dem Innenstadt ICA wurden wir mit der Kartoffelmasse nicht fündig. Also weiter zum Coop, und der ist riesig, daher wurden auch gleich noch sonstige Vorräte aufgestockt, wobei man immer berücksichtigen muss, wir haben nur unsere Camping Lager und das reicht bei vier Personen nicht unbedingt für viel mehr als einen Tag.
Zurück am Wohnwagen haben wir mit den Vorbereitungen für das Abendessen begonnen und ich habe versucht meinen Rückstand im Schreiben von Geschichten etwas aufzuarbeiten.


































