Den Tag wollten wir nutzen um uns das Technik Museum anzuschauen, bevor wir morgen dann so langsam wieder den Rückweg antreten wollen und Richtung Süden und an die Ostsee bzw. Bottnischer Meerbusen 1 fahren wollen. Aber wie schon so oft in unseren Urlauben, meistens kommt es anders als geplant oder man kann die Pläne nur mit Ergänzungen und Anpassungen umsetzen.

Und die erste unvorhergesehen Anpassung ereilte uns noch vor dem Aufstehen. Gegen 05:00 Uhr 2 begann ein heftiger Platzregen. Wir hatten schon einige Regenschauer im Wohnwagen mitgemacht und haben uns daher nichts dabei gedacht, und wieder rumgedreht. Dann gegen 05:30 Uhr gab es plötzlich im Umfeld des Wohnwagens ein sehr lautes Geräusch und wir dachten im ersten Moment an einen Einschlag, nur wovon? Dann hat aber geli die Augen aufgemacht und einen Schrei ausgestoßen: „Die Markise ist eingestürzt!“ Damit waren wir alle wach und auf den Beinen. Und tatsächlich, die Markise ist zusammengebrochen. Also erst mal fix aufräumen, gebrochenes Gestänge aufsammeln, Füße losschrauben und die Markise aufrollen. Dabei ist dann auch aufgefallen das leider auf beiden Seiten die Aludruckguss Aufnahmen gebrochen und das Tuch eingerissen sind, aber dazu später.

Gut, nachdem die Markise also aufgerollt ist und die Stühle unter dem Bett verstaut sind, ging es zurück ins Bett, erst mal weiterschlafen, über den Schaden, seine Behebung und die Gründe kann man später nachdenken. Zu dem Zeitpunkt war auch TobbY erst mal nicht zu sehr traurig, denn es ist keinem was passiert, der Wohnwagen und das Auto sind so intakt, dass wir die Reise, wenn auch mit Einschränkungen, fortsetzen können.

Da es dann zum Aufstehen immer noch ein wenig genieselt hat, wurde beschlossen, dass wir im Wohnwagen frühstücken. Eigentlich kein Problem denn das Bett der Jungs ist ja eine Sitzecke mit Tisch. Nur wie schon vermutet, wenn es die Ecke der Jungs ist, dann ist die nicht in einer Art und Weise aufgeräumt, das man die Füße unter den Tisch stellen kann. Über diesen Zustand und das die Jungs Anstrengungen unternehmen sollen, diesen zu beheben reden geli und TobbY schon seit einigen Tagen, aber es gab ja bisher keine Notwendigkeit. Der von den Jungs ausgetragene Dauerzwist aktuell tat sein Übriges, denn der Nils schiebt die Arbeit auf den Nick, der nicht einsieht warum er allein und es dann aussitze. Dann nimmt der Nils seine Hände dazu um den Nick in Bewegung zu versetzen und vergisst ein ums andere Mal sein Kraft und wie der Nick bevorzugt reagiert.

Es kommt also wie es fast zwangsläufig kommen musste, als TobbY dann wegen des nicht betretbaren Bodens über die Bank in die Ecke krabbeln wollte musste er feststellen, dass die Punktbelastung seines Knies auf dem Kissen der Bank das Sperrholz darunter überlastet hat. Ich muss also nicht erwähnen, da jetzt die Laune im Keller war, der Appetit vergangen ist und es Zeit ist über den Schaden an der Markise nachzudenken.

Also was ist passiert?

  • Das Gestänge ist durch das sich auf dem Zelttuch gesammelten Wassers auf der Heckseite des Wohnwagens in sich zusammengesunken.
  • Dabei wurde das Gestänge, das die Markise gegen den Wohnwagen verspannt auf der Seite verbogen. Das Gestänge setzt sich aus zwei ineinander zu verschiebenden Profilen zusammen. Das äußere Profil hat sich dort angefangen zu biegen, wo das innere begonnen hat. Das innere 3 hat sich nach Oben verbogen haben, also es hat in die Richtung des gerundeten Profils verbogen.
  • Beim Aufbauen hat TobbY dieses mal 4 darauf geachtet, das nicht nur die Stützen im Wasser standen, sondern auch die Markise an sich. Bisher haben wir das immer nur grob nach Augenmaß gemacht, und damit war der Ablauf in eine Richtung gewährleistet 5 .
  • Wenn die Markise als Vorzelt genutzt wird und man kaum Gefälle einplanen kann, dann gibt es eine Mittelstange. Am ersten Campingplatz an dem es geregnet hatte und wir die Seitenwände eingehängt haben, hatten wir diese Mittelstange auch eingesetzt, nur dieses Mal eben auch nicht, da das Wetter zwar nicht übermäßig schön, aber auch nicht zu sehr nach Regen aussah. Vermutlich hätte auch dank der Mittelstange keine so große Wassermenge auf dem Zelttuch stehen bleiben können das das Gewicht für den Schaden ausgereicht hätte.
  • Abschließend sind alle Ersatzteile bei FIAMMA 6 erhältlich und wir können die Markise daheim in Ruhe reparieren oder reparieren lassen.
  • Was TobbY im Zuge einer Reparatur noch Bauchweh macht ist das Eingerissene Zelttuch. Durch den Reisverschluss an der Seite des Zelttuches ist dies eigentlich gerade am Rand extra verstärkt. Nur vorn wo das Zelttuch in die Markisenwalze eingelegt wird, ist das Tuch am Rand nicht verstärkt und dort gerissen.

Neben der Reparatur der Markise denkt TobbY schon Seit den letzten drei Urlauben über ein Luftvorzelt nach. Da wir sowohl in Dänemark im vergangenen Jahr, als auch bei beiden Fahrten nach Berlin immer das komplette Vorzelt aufgebaut hatten, erscheint ihm das inzwischen auch als die gewichtsmäßig günstiger Alternative 7 . Geli meint aber zurecht, das wir auch die Markise reparieren lassen sollten denn für den schon geplanten Tripp nach Südkroatien oder in die Pusta 8 müssen wir kein Vorzelt mitnehmen aber eine Markise am Wohnwagen ist sicher als Schattenspender sinnvoll.

Bis auf einen Bluescreen mitten in einem QSO sind wir mit der Schadensbeschreibung für heute fertig da, da durch den Nudelsalat verzogene Holzbrett bereits gestern Erwähnung fand.

Kommen wir jetzt zu dem eigentlichen Punkt des heutigen Tages. Wie am Tag der anreise entdeckt wollen wir uns das Technikmuseum 9 zwischen Brunflo und Östersund noch anschauen. Auf der Hinfahrt haben wir unterwegs einen A-Traktor getroffen. Einen A-Traktor? Wikipedia 10 beschreibt die A-Traktoren als eine aus Serienfahrzeugen umgebaute Landwirtschaftliche Zugmaschine. Diese ist gerade im Norden bei den Jugendlichen sehr beliebt, denn das max. 30 km/h schnelle Fahrzeug darf mit dem Führerschein Klasse AM gefahren werden und ist damit mit einem Moped in den anderen Ländern Europas vergleichbar. Nur ein Moped ist für das hiesige Klima gerade im Winter nicht das zu empfehlende Fahrzeug, also haben sich die Schweden 1975 entschieden, das sie diese A-Traktoren weiter behalten wollen.

Endlich im Museum angekommen haben wir dort die drei Hallen ausgiebig besichtigt. Das Museum liegt in der Zufahrt zu einem ehemaligen Militärflugplatz den sich jetzt der Flieger, Segelflieger, Fallschirm und Modellfliegerclub sowie ein kommerzieller Anbieter teilen. Und angrenzend an das Museum findet sich auch noch die Clubstation des örtlichen Amateur Radio Vereines, der donnerstags seinen Clubabend hat und im Museum für seine Aktivitäten Mitgliederwerbung betreibt.

Kommen wir noch zu den drei Hallen. Die erste von geli und TobbY besichtigte Halle befasste sich mit der Mobilität in der Gegend. Neben dem „ersten“ Schneemobil waren in der Halle auch verschiede Busse ausgestellt. In dem Museum war wie im vergangenen Jahr im Kutschenmuseum Anfassen erlaubt, also hat sich TobbY bei deinem der Busse mal auf den Fahrerplatz gesetzt, dann aber festgestellt, dass er das Fahrzeug nicht fahren könnte. Wie auf dem Bild zu erkennen ist ihm völlig unklar, wie er die Pedale dieses Buses hätte bedienen sollen.

Interessant war auch der „rote“ Bus. Von diesem Typ hat es früher ca. 20 Stück in Schweden gegeben. Währen hinter dem Fahrer 20 Fahrgäste Platz finden, schließt sich an den Fahrgastbereich eine Ladefläche an. Der Bus hat in den Weiten Nordschwedens nicht nur den spärlichen Personenverkehr abgedeckt, er hat auch den Transport der Milchkannen für die Bauern übernommen.

Die zweite Halle ist der Luftfahrt gewidmet. Da es sich um ein Militärgeschichtliches Museum handelt, werden viele Maschinen der Luftwaffe in der Halle und außerhalb gezeigt. Eine Maschine dominierte die Ausstellung, die Saab Viggen. Es fanden sich aber auch Segelflugzeuge und kleine Motorflugzeuge in der Ausstellung. Da die Ausstellung mit den Fingern begreifbar sein sollte haben konnte auch in dem Bereich vieles angeschaut werden. In der zweiten Halle gab es sogar einen Flugsimulator für Modellflugzeuge und die Möglichkeit in einem Jet Probezeiten. Der Flugsimulator für Jets war den NiNis mit 100 kr zu teuer für ihr Taschengeld. Neben Flugzeugen findet in der Halle auch die Luftaufklärung ihren Platz. Radartechnik in der Nase von Flugzeugen wird genauso ausgestellt wie mobile Radatechnik am Boden.

Die dritte Halle widmet sich sonstiger Militärtechnik, vor allem aber der Militärtechnik der Infanterie. Da man sich auch mit der Geschichte des Kalten Krieges befasst, wird auch das Thema Spionage ausführlich behandelt. Neben Spionage steht aber auch die Rolle Schwedens in der Zeit sowie in der Zeit der deutschen Besetzung Norwegens im zweiten Weltkrieg in einigen Ausstellungsstücken zur Diskussion. In diesem Zusammenhang wir vor allem die Rolle der Eisenbahn besprochen. Interessant ist, dass die Schweden die Deutschen sowie auch deren Güter und Militärtechnik transportiert haben. Auch das Thema Zivilverteidigung wurde hier behandelt. TobbY konnte dort ein paar Fotos von militärischer Prüfröhrchen- und Strahlenschutzmesstechnik machen. Während der Zeit des kalten Krieges hat sich auch Schweden im Zivilschutz entsprechend eingerichtet.

Etwas abschweifen muss der Autor in dem Zusammenhang noch mal. In dem Gebäude in dem wir in Östersund unser Auto geparkt hatten, fand sich ein Eingang der mit dem Zivilschutzsymbol 11 und der Aufschrift „Skyddsrum“. Das hatte TobbY zwar im Vorbeilaufen wahrgenommen, aber sich nicht wirklich intensiv Gedanken dazu gemacht.

Während geli und TobbY noch durch die Dritte Ausstellungshalle geschaut haben waren die Jungs natürlich schon durch 12 und sie saßen gemeinsam nebeneinander vor der Tür der zweiten Halle und waren mit ihren Handys beschäftigt.

Auf dem Heimweg ging es dann noch Einkaufen, heute weil es auf dem Weg lag bei Coop und nicht im ICA. Leider war die Auswahl nicht so überragend, wie wir erhofft hatten und TobbY flachste schon, dass wir vermutlich noch einen Abstecher in den ICA machen müssen, da wir z.B. keinen brauchbaren Salat bekommen haben. Aber wie heute schon mehrfach erfahren, kam dann doch plötzlich alles anders. Da wir im Wohnwagen wenig Lagerkapazität haben müssen wir eh jeden zweiten Tag Einkaufen fahren. Also können wir uns auch in der Kühltruhe mit Lebensmitteln bedienen, die nur für den sofortigen Verzehr bestimmt sind. Und in dieser wurden wir sowohl mit Grillgut als auch mit schon verzehrfertig geputztem Salat fündig. Und dieser Fund entpuppte sich dann auch noch als eine typisch schwedische Besonderheit, die wir bei den Lebensmitteln bisher nur selten gefunden haben. Als Blattsalat wird auch das Grün von roter Bete gegessen und wir müssen feststellen, es schmeckt gar nicht schlecht.

Eigentlich hatten wir uns schon darauf gefreut das Abendessen wieder an unserem Campingtisch vor dem Wohnwagen einnehmen zu können, aber als alles fertig und gedeckt war, wie sollte es auch anders sein, fing es wieder an zu tröpfeln. Also schnell umziehen, denn ab heute 13 haben wir ja leider keine Markise mehr.

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Bottnischer_Meerbusen []
  2. so genau hat da keiner auf die Uhr geschaut []
  3. zeigt zum Wohnwagen []
  4. und das erste mall []
  5. Nach dem Zusammenbruch konnten sich geli und TobbY dann auch erinnern, dass dies in der Einweisung erklärt wurde, aber da war es zu spät, „Wenn sie wieder repariert ist wissen wir es und wie heißt es so schön: „Aus schaden wird man Klug.“ []
  6. https://www.fiamma.it/de/ersatzteile-fiammastore/markisen-mit-vorzelt-1355251491/caravanstore-zip-xl-360-550-de []
  7. Und die Anschaffungskosten liegen nach erster Recherche vergleichbar zu den Ersatzteilkosten []
  8. Kroatien wurde wegen Covid 19 immer wieder verschoben, denn mehr als eine Grenze kommt TobbY aktuell nicht in die Routenplanung ( vielleicht mal ein Hüpfer nach Norwegen, aber da sind die Verhältnisse anders) []
  9. Technikland []
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/A-Traktor []
  11. Blaues Dreieck in orangenem Kreis []
  12. Deswegen muss man sie am kommenden Tag auch nicht nach Details fragen, aber TobbY meint er war dort früher auch nicht besser. []
  13. dachten wir noch, aber TobbY wäre nicht TobbY wenn er nicht noch Ideen hätte []

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