Auch wenn das Wetter heute nicht ganz so schlecht vorausgesagt war, konnten wir uns noch nicht entschließen die geplante Draisinen Tour zu unternehmen. Aber noch ein Gammeltag sollte es auch nicht werden. Also war eine Empfehlung von der Reiseleitung gefragt 1.

Wir wollten doch noch das Aquädukt 2 am Dalslandkanal anschauen, also ein kleiner Ausflug von Bengtsfors nach Håverud knappe 36 km aber schon Google Maps meinte 43 Minuten. Auch wenn geli schon mal hier unterwegs war, war ihr die Straße nicht mehr so geläufig. Nach einigen 100 Metern bekam sie dann auch von uns einen Spitznamen. Wir waren nicht auf der Straße unterwegs sondern im Auto in einer Achterbahn 3

Das Aquädukt ist 150 Jahre alt, aus einer Zeit bevor in diesem Teil Schwedens eine Eisenbahn errichtet wurde, über Autos oder LKW hat erst recht niemand nachgedacht. Aber auch der Teil Schwedens sollte die ersten Fabriken bekommen und da es Holz für Holzkohle und Wasserkraft gab, boten sich Schmieden an. Wenn man dann noch ein wenig über die Geschichte des Dalslandkanal nachliest, lernt man dass von 250 km Kanallänge nur gut 12 km künstlich von Menschenhand gebaut werden mussten. Eigentlich ist der Kanal eine Verbindung von vielen großen Seen hier in der Gegend.

Für die Verbindung vom See Åklång im Westen und dem Upperudshöljen im Osten 4 bot sich die Schlucht bei Håverud an, da sie die kürzeste Verbindung darstellt, aber auf der anderen Seite war diese Schlucht mit Wasserfällen und ihrem Gefälle so schwierig zu meistern, dass man eigentlich eine Passage mit Pferdewagen über den Landweg in Erwägung zog. Nils Ericson, ein bekannter Ingenieur für Kanal- und Eisenbahnbau schlug eine Lösung mit einer Trogbrücke und mehren Schleusen vor, die so tollkühn klang, das, hätte sie jemand anderes vorgeschlagen, sie nicht in Erwägung gezogen worden wäre. Über die Geschichte könnt ihr viel im Netz lesen, so auch in der Festschrift 5 zum 150 jährigen Bestehen.

Viel lieber soll hier von den eigenen Eindrücken berichtet werden. Die Bilder sprechen schon für sich, auch wenn TobbY sich wieder massiv geärgert hat, dass er sich eine neue Kamera und ein neues Standardobjektiv im Frühjahr gegönnt hat und es dann alles daheim vergessen hat. Vor allem, da er am Montag beim Packen der Technik noch drüber nachgedacht hatte, dann aber auf Nils, der die alte Kamera haben wollte gewartet hat und sie dann tatsächlich vergessen hat.

Wir sind nach der Ankunft am Aquädukt erst mal hoch gegangen und ein kleines Anglerboot mit Außenborder kam am Oberwasser zu Schleuse und wollte die Schleuse durchfahren. Neugierig wie TobbY nun mal so ist, hat er dann gleich mal gefragt und weiß nun, das abhängig von der Bootsgröße der Tarif festgelegt wird; das Anglerboot muss 120 kr pro Schleuse als 480 kr für die Passage bezahlen. Die Schleusensteuerung wird wie vielfach in Schweden üblich von Ferienjobbern übernommen. Hier sind es zwei Schwestern, die ältere hat drei Jahre mehr Erfahrung und wird von der jüngeren 6 als „It’s my older Sister, she is my Boss here“ bezeichnet. Mit der Jüngeren hat sich TobbY unterhalten als sie die Schleusenfahrt der MS Storholmen 7 an der letzten Schleuse betreut hat. TobbY hatte sich gefragt, ob man die Schleuse fernbedienen könne und sie hat dazu erzählt, dass sie die unterste Schleuse mit dem Wasser aus den oberen füllt und dass man das von der vorletzten Stufe aus steuern kann. Die gesamte Schleusenanlage mit ihren vier Stufen und das Aquädukt ist nicht mehr für den Lasttransport und die gewerbliche Güterschiffahrt in Betrieb sondern wird ausschließlich im Sommer für die Touristen betrieben. Daher ist es auch problemlos möglich den Betrieb in die Hände von Ferienarbeitern zu legen.

Neben der Bedienung von vier Schleusen muss an der letzten Schleuse auch eine Drehbrücke bedient werden. Die Dalsland Kanalverwaltung hat bis auf eine Schleuse alle teilautomatisiert, aber die Schranken und Verriegelungen an der Fußgängerbrücke müssen noch von Hand bedient werden.

Nach dem wir die Schleusenfahrt beobachtet hatten sind wir dann noch zu einer Besichtigung ins Schleusenmuseum gegangen eh wir uns wieder auf die Rückfahrt gemacht haben. Wie schon beschrieben: „Sie hatten einen Freizeitpark mit Achterbahn bestellt?“

Für die Heimfahrt hatten wir beschlossen, dass wir den Werksverkauf des Süßwarenladens besuchen wollten. Als wir dort dann rausgekommen sind, war der Kommentar von TobbY: „Hilfe 8 “ denn das war in den zweieinhalb Reihen ein Gewusel. Jetzt haben wir eine Kiste mit Gummitieren, Cola Flaschen und auch allerhand Lakritz. Anschließend ging es noch einkaufen und dann zurück an den Camping Platz. Noch ein paar QSO und das Abendbrot, dann sollte der Tag einen gemütlichen Abschluss finden.

Aber es wären nicht unser Jungs wenn sie sich aktuelle nicht immer wieder gegenseitig zu zerfleischen suchen würden. Gestern haben sie sich dann so schlimm zerstritten, dass Nick im Auto Zuflucht gesucht und sich eingeschlossen hätte.

  1. Die Reiseleitung hat vor gut 20 Jahren bereits Urlaub in der Gegend gemacht und kennt sich daher ein bisschen aus []
  2. https://www.vastsverige.com/de/mellerud/produkter/akvedukten-i-haverud/ []
  3. Wer mehr dazu wissen will, TobbY hat auf dem Rückweg ein ca. 10 Minütiges Video gedreht, das kann man dann bekommen. []
  4. Um die Namen der Seen herauszufinden haben wir am 06. die beiden Damen im der Museumsbahn befragt, aber selbst sie kannten sich bei ihren Seen nicht aus, wir haben hier so viele []
  5. https://www.vastsverige.com/globalassets/dalsland/dalslands-kanal/tysk.pdf[]
  6. Sie hat gerade die Highshool (Gymnasium) abgeschlossen und will im kommenden Jahr Medizintechnik studieren, aber vor her will sie herausfinden ob es was für sie ist. []
  7. Das Ausflugsschiff MS Storholmen ist nach Aussage der Mädels eins der größten Schiffe die diese Schleusen noch Befahren können. []
  8. Aber der Süßigkeitsladen muss im Tagebuch Erwähnung finden. []

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