Geplant war ein gemütlicher Tag am Wohnwagen, noch mal Ausspannen bevor morgen und übermorgen jeweils gut 6 – 8 Stunden Autofahrt auf dem Plan stehen … Aber wie gestern schon geschrieben haben wir den Plan umschmeißen müssen. Gestern haben wir gerade mal mit Ach und Krach Gammla Linköpping geschafft, also müssen wir heuten noch das weitere Besichtigungsprogramm durchziehen. Drei Ziele stehen auf dem Plan:

  • Bergs Slussar – 15 Schleusen die zusammen 27,6 m Höhenunterschied zwischen dem Roxen und dem Göta-Kanal auf der Östgöta-Ebene in Richtung Vättern überbrücken.
  • Flygvapenmuseum – Ein Museum der Schwedischen Luftwaffe. Auf dieses Museum sind wir im Technikland 1 aufmerksam geworden, da dort einige der Ausstellungsflieger Leihgaben aus Linköpping waren.
  • Kinda-Kanal 2 – Eine Wasserstraße in Linköpping auf die TobbY zufällig beim Schreiben eines Tagebucheintrages auf einer Karte gestoßen ist.

Den ersten ungeplanten Programmpunkt des Tages hat uns ein kleiner stachliger Besucher 3 gegen 05:00 Uhr beschert. Er hatte sich unter dem Wohnwagen über die Reste in den Töpfen, die dort bis zum Spülen abgestellt waren, hergemacht.

Nach dem Frühstück als wir aufbrechen wollte, meldete der Nick Bauchweh. Genau eingrenzen, woher das Bauchweh kommt, konnten wir / konnte er nicht; und wenn es beim ursprünglichen Plan geblieben wäre, wäre es auch vermutlich keine Notiz wert gewesen, aber so drohten alle Pläne zu kippen. Mit einer halben Ibu ließ sich das aber dann so in den Griff bekommen das wir doch aufbrechen konnten, denn es sollte ja nur ein „Kurzer Ausflug“ werden, ein kurzer Ausflug von Mittag bis zum Frühen Abenden, auch wenn diese Dauer nicht gereicht hat.

Als erste Station war eigentlich das Flugzeugmuseum geplant, doch als wir an den Schleusen in Berg vorbeigekommen sind, war die Juno gerade im Oberbecken der Oscars Schleuse. Da eine Besichtigung der Schleusentreppe sicher interessanter ist, wenn ein Schiff die Schleuse befährt, und vor allem wenn es noch ein so großes wie die Juno 4 5 ist, haben wir den Plan umgeworfen und die Reihenfolge angepasst.

Nach der Ausfahrt aus dem Unterbecken der Oscar Schleuse durchquerte die Juno den Yachthafen von Berg und fuhr in die Schleusentreppe Carl Johan ein. Um den Schleusenvorgang vorzubereiten, musste der Schleusenwärter zuerst die 12 Unterbecken der Schleusentreppe in den Roxen ablassen, denn die Juno bringt das zum Schleusen notwendige Wasser in Fahrtrichtung mit. Währen der Einfahrt des Schiffes lief das Schleusenbecken am unteren Tor jeweils etwas über in die nächste Kammer. Anschließend wurden die Verschlüsse in den Toren hydraulisch per Fernbedienung geöffnet. Sowohl in Kammer 11 als auch in Kammer 1 wurde der Schleusenvorgang zwischendurch unterbrochen, und zwar immer so, dass die Juno und der Beckenrand auf einer Höhe waren. Die Passagiere hatten zum großen Teil das Schiff zu Beginn der Schleusenfahrt an der Klappbrücke 6 verlassen und die Schleusung von Land aus mit dem Fotoapparat verfolgt. Die Passagiere der Fluss Kreuzfahrt schienen überwiegend bereits das Rentenalter erreicht zu haben und sind vermutlich auch deswegen zu Beginn der Schleusentreppe wieder zugestiegen.

Währen der Wartezeit am Beginn der Schleusentreppe wurden rote Wäschesäcke mit Tischwäsche aus der Juno ausgeladen und im Schleusenkontor zwischengelagert. Einem der Schwesterschiffe ist die saubere Tischwäsche ausgegangen, und sie sollte dann die Saubere Wäsche in den kommenden Tagen bei der Schleuse wieder aufnehmen 7 .

Die Kommunikation zwischen dem Kapitän und einem Schiffsjungen, der während der Schleusenvorgängen an Land die Leinen eingehängt hat und beim Einfahren in die Kammern den Abstand signalisierte passiert obwohl beide Funk hatten per Handzeichen.

Gut zwei Stunden 8 habe wir bei Sonnenschein die Schleusenfahrt beobachtet und einige Fotos geschossen. Nach dem letzten Zustieg und der Ausfahrt aus der untersten Schleusenkammer hat die Köchin auf allen Decks zum Essen geläutet. Eine Portion wurde beim letzten Zustieg auch an den Schleusenwärter herausgereicht und genauso hat er einen Zerschlissenen Holzfender von der Juno bekommen. Die Holzfender werden gerade in den Schleusenkammern stark beansprucht und gehen dann und wann mal kaputt, die Schiffe haben aber alle einen gewissen Vorrat an Bord.

Der nächste Tagesordnungspunk war die Besichtigung des Flugzeugmuseums. Wie uns in der Vorbereitung bereits aufgefallen ist, können wir nur eine von zwei Hallen besuchen, denn die zweite Halle wird gerade umgestaltet und ist daher nicht für Publikumsverkehr freigegeben. Aber auch eine Halle war ausreichend für einen ganzen Nachmittag, vor allem wenn man sich mit den gezeigten Themen ein wenig detaillierter befassen möchte.

Begonnen haben geli und TobbY den Rundgang im Keller. Dort ist das Wrack einer DC3 der schwedischen Luftaufklärung ausgestellt. Diese ist bis Juni 1952, also zu Zeiten des kalten Krieges Aufklärungsmissionen 9 in Richtung der Sowjetunion geflogen. Zu einer Diplomatischen Kriese hat sich der Abschuss der DC3 durch ein sowjetisches Jagdflugzeug über internationalen Gewässern der Ostsee entwickelt. Auch die Rettungsmission wurde von den Sowjets angegriffen und ein  Flugboot vom Typ Consolidated PBY Catalina abgeschossen 10 . 2003 wurde die DC 3 von einer privat finanzierten Suchaktion einiger Historiker auf dem Grund der Ostsee gefunden und von der schwedischen Marine gehoben. Nach einer Konservierung wurde ein Ausstellungsraum im Museum für diese Geschichte hergerichtet und ist seit 2009 für die Besucher geöffnet.

In der Halle über der DC 3 finden sich verschieden Militärische Flugzeuge und Hubschrauber der schwedischen Luftwaffe, ergänzt mit Themeninseln rund um das Leben in Schweden im Angesicht des kalten Krieges. Diese Themeninseln sind in ca. 10 Jahres Zeitscheiben aufgeteilt. In jeder der Zeitinseln wurde auch ein Wohnraum in dem zu der Zeit üblichen Einrichtungsstiel gezeigt. Zusätzlich und als einziges nicht schwedisches Flugzeug hängt auch eine MiG-15 an der Decke. Ein sowjetisches Jagdflugzeug dieses Typs hat die DC 3 und die Catalina abgeschossen. Auch von der Catalina ist ein Exemplar ausgestellt, aber anders als im Techniksland Östersund dürfen hier in Linköping die Maschinen nicht von innen besichtigt werde.

Während TobbY sich so lange in der Ausstellung aufgehalten hat bis das Museum schließt, haben die Jungs recht schnell einen Flugsimulator aufgetrieben und sich dort festgesetzt. 30 min. vor dem Schließen des Museums gab es eine Durchsage und dann tauchte neben dem normalen Museumspersonal eine Soldatin in Uniform auf, vermutlich die Nachtwache und Sie hat TobbY dann 5 min. vor dem Schließen auch direkt als letzten Gast zum Gehen aufgefordert.

Draußen vor dem Museum hat dann geli festgestellt, dass wir unbedingt hier in der Gegend noch mal Urlaub machen müssen. Wir waren beide nicht so richtig durch den ersten Teil des Museums durch gekommen und haben der zweiten Teil war noch nicht mal eröffnet 11 .

Vom Luftfahrtmuseum ging es dann noch zu dem von TobbY gewünschten aber durch die Reiseleitung in der Reiseplanung nicht umgesetzten Ausflugsziel des Kindakanal. Angefahren wurde eine Stelle in Linköpping die auf der Karte mit Kindakanal markiert war, an der es auch Informationstafeln und eine Wassersportanlage gab, aber da es nun doch schon spät war, haben wir hier abgebrochen. Die Werbung „Acht Meilen Erfahrungen“ 12 bzw. Slussar- från söder till norr motiviert auch, bei einem zukünftigen Urlaub die 80 km mit einem Ausflugsdampfer zu befahren.

Wieder zurück am Campingplatz ging es für Nick, geli und TobbY noch mal in den Roxen bevor geli aus allen Resten einen Auflauf konstruiert hat. Nur leider bekommen wir den Auflauf wieder ohne Brokkoli da die Form wegen Überfüllung geschlossen war. Im Gegenzug ist der Rest Mais im Auflauf gelandet, obwohl er eigentlich in den Salat sollte. Ob wir geli einen Koch- und Erinnerungskurs schenken sollten.

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Optand_Teknikland []
  2. https://de.wikipedia.org/wiki/Kinda-Kanal []
  3. https://holiday.indiancoder.de/?p=3957 []
  4. Die Juno ein Flusskreuzfahrtschiff der Göta Kanal-Flotte. Sie ist Baujahr 1874, und damit das älteste registrierte Schiff mit Übernachtungsmöglichkeiten der Welt. Mit einer Länge von 31,45 m und einer Breite von 6,68 m füllt es die Kanalschleusen maximal aus, was den Schleusenvorgang für die Zuschauer sehr interessant gemacht hat.[]
  5. https://www.gotacanal.se/de/kanalschiffe/ms-juno/ []
  6. leider haben wir die Durchfahrt nicht miterleben dürfen []
  7. Diese Info hat Nils auf Anweisung herausgefunden, auch wenn er cheaten konnte, denn die Reisebegleiterin der Juno sprach Deutsch []
  8. Nach Aussage des Schleusenwärters dauert der Schleusenvorgang in Richtung Roxen (Talfahrt) 45 min., die Bergfahrt 1h. Auch wenn er an dem Tag nur eine angemeldete Schleusenfahrt von der Juno hat, so war er dennoch schon seit 04:00 Uhr an der Schleuse im Dienst. []
  9. Funkaufklärung []
  10. https://de.wikipedia.org/wiki/Catalina-Aff%C3%A4re []
  11. Und etliche Wochen später in Ilmenau haben wir auch festgestellt, wir haben in Berg noch nicht alle Schleusen besichtigt und auch nicht die Schleusen in Richtung Vättern, Motala oder auch die Stadt Norköpping []
  12. https://www.linkoping.se/uppleva-och-gora/friluftsliv-och-parker/stangan-kinda-kanal2/atta-mil-upplevelser/#:~:text=Slussar-%20fr%C3%A5n%20s%C3%B6der%20till%20norr,sj%C3%B6arna%20J%C3%A4rnlunden%20och%20Stora%20R%C3%A4ngen. []

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